Licht 2017 Filmposter

Licht

„Schön ist sie ja nicht. - Aber spielen kann sie schon!“ flüstert man sich zu, als die 17jährige Pianistin Maria Theresia Paradis, kurz „Resi” genannt, 1777 in Wien der feinen Gesellschaft als vermeintliches musikalisches Wunderkind vorgestellt wird. Sie ist seit ihrem dritten Lebensjahr erblindet und hat eine Sensibilität entwickelt, mit der sie nicht nur gegen den beinahe gleich alten Mozart antreten kann, sondern auch einige gesellschaftliche Normen zu sprengen droht.

Dabei ist sie ein sympathisches Mädchen und ihr Schicksal rührt die Österreicher an. So hat sie von der Kaiserin eine Gnaden-Pension bekommen, die es auch ihren Eltern ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie veranstalten regelmäßig Kammermusik-Abende, an denen sie ihre Tochter mit Schleifchen und Wangenrouge regelrecht vorführen. Und natürlich fragt ein jeder nach ihrer Erblindung und ob man denn da so gar nichts machen kann. Die Schulmedizin ist jedenfalls mit ihrem Latein am Ende und so will man es mit dem im Ruf eines Wunderheilers stehenden Franz Anton Messmer versuchen. Dank dessen Frau besitzt er ein großes Anwesen, auf dem er Resi zur Kur aufnimmt. So umstritten seine Methoden sind, so ist er wahrscheinlich der erste, der ihr jemals zugehört hat und bald schon lebt Resi auf, freundet sich mit der Kammerzofe Agi an und lernt ihre neue Freiheit zu genießen. Auch in Messmers Sehschule macht sie erstaunliche Fortschritte, erkennt bald Schatten und Grautöne, später dann sogar Umrisse und Formen, wofür ihr oft die Worte fehlen, weil sie die ihr Leben lang noch nicht brauchte. In ihrer wundersamen Genesung sieht Messmer endlich eine Chance auf universitäre Anerkennung, doch Resis Heilung hat auch eine Kehrseite: Je mehr sie ihre Sehkraft zurück erlangt, desto weniger kann sie sich auf ihre Musik konzentrieren und verliert peu à peu ihre musikalische Virtuosität.
Ein Behandlungsergebnis, mit dem ihre Eltern gar nicht zufrieden sind, sehen sie doch schon die kaiserliche Unterstützung schwinden. Resi hat dagegen erkannt, dass sie ein Recht aufs Sehen hat, es ihr aber in der Gesellschaft, in der sie lebt, nicht mehr, sondern eher weniger Freiheit bringen würde. Ein Schicksal, dass sie im übrigen mit Mozarts Schwester „Nannerl“ teilen würde. Doch Resi findet einen eigenen Weg, wird noch zahlreiche Lieder, Instrumental- und Bühnenwerke komponieren und als Musikpädagogin mit eigenem Musiksalon in die Geschichte eingehen, während Messmer nie von der Wiener Akademie aufgenommen wird.
Zum ersten Male wählte Barbara Albert einen Roman als Vorlage für ihren Film und während der das Schicksal von Resi und Messmer gleichberechtigt gegenüberstellt, konzentriert sie sich mehr auf die Rolle der Frau in dieser Gesellschaft zwischen Aufklärung und Rokoko, die auf Verhinderung und Unterdrückung setzt. In einem Spannungsfeld zwischen Unterordnung und Anpassung gelingt ihr ein Frauenporträt, das gesellschaftliche Strukturen anprangert, wie wir sie zum Teil heute noch kennen.

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