Wunder 2017 Filmposter

Wunder

Eine Art Feel-Good-Version des „Elefantenmenschen“ ist Stephen Chboskys „Wunder“, in dem ein zehnjähriger Junge, dessen Gesicht leicht fehlgebildet ist, nach Jahren der Isolation mit der wirklichen Welt konfrontiert wird. Eine gefühlvoll erzählte Geschichte, deren Stärke in ihrer multiperspektivischen Erzählweise liegt. Wie schon in seiner Verfilmung des Kult-Buches “The Perks of Being a Wallflower” (“Vielleicht lieber morgen”) gelingt Chbosky ein berührendes Außenseiter-Porträt.

August Pullmann, genannt Auggie (Jacob Tremblay), ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern Isabell (Julia Roberts) und Nate (Owen Wilson), sowie seiner etwas älteren Schwester Olivia (Izabela Vidovic) in New York. Auggie wurde mit dem Treacher Collins Syndrom geboren, einem genetischen Defekt, der vor allem im Gesicht zu Fehlbildungen führt. 26 Operationen hat Auggie zwar schon hinter sich, “normal” sieht er dennoch nicht aus, weswegen er bislang von seiner Mutter zu Hause unterrichtet wurde und sich nur im Schutz eines Astronautenhelms an die Öffentlichkeit wagte. Doch nun soll es soweit sein, nun soll Auggie in eine ganz normale Schule gehen, mit ganz normalen Kindern, ein ganz normales Leben führen. Doch an Auggie ist nichts normal, weder sein Gesicht, aber auch nicht seine Intelligenz, vor allem aber seine Empathie. So sehr er anfangs auch von manchen Mitschülern gehänselt wird, so schwierig es für ihn lange ist, sich in der wirklichen Welt zurechtzufinden: Mit seiner Freundlichkeit gelingt es ihm, die Herzen auch des Schulrowdys zu gewinnen. Doch wie geht seine Umwelt mit seiner Sonderrolle um, wie verkraftet es etwa seine Schwester, dass sie in der Familie stets nur die zweite Geige spielt?

Auf dem Papier liest sich Stephen Chboskys “Wunder” wie einer jener rührseligen, sehr amerikanischen Filme, in der ein Außenseiter bald dennoch akzeptiert wird, denn was zählt sind nur die inneren Werte. Und ja, bisweilen ist “Wunder” etwas sentimental, erträgt Auggie mit geradezu übermenschlicher Ruhe sein Schicksal und bringt dadurch auch den schlimmsten Rowdy dazu, sich zu ändern. Das mag nicht immer glaubwürdig wirken, gerade auch weil man in der heutigen, von Mobbing via Twitter und Facebook geprägten Welt niemandem wünschen mag, auch nur mit leichten Fehlbildungen zur Schule gehen zu müssen: Die Werte, die “Wunder” vermittelt, kann man allerdings nur gutheißen.

Wenn „Wunder“ nun jedoch ausschließlich Auggies Geschichte erzählen würde, ganz auf seine Perspektive konzentriert wäre, bliebe der Gesamteindruck etwas eindimensional. Doch dieser Gefahr entgeht der Film dadurch, dass er die Perspektiven aufbricht. Bald erzählt da etwa Auggies Schwester Olivia, wie sie sich fühlt, wie sie damit umgeht, dass ihr Bruder stets im Mittelpunkt steht. Sie liebt ihn zwar aufrichtig, aber manchmal würde sie sich wünschen, dass ihre Eltern auch ihr die Aufmerksamkeit schenken, die Auggie bekommt.

Oder Auggies Mutter Isabell, die ihr Studium aufgab, um sich ganz um Auggie zu kümmern, oder ein Schulkamerad Auggies, der erst aus sozialem Druck unfreundlich war, bevor er realisierte, dass Auggie weit mehr ist, als sein Äußeres. Dieses multiperspektivische Erzählen deutet an, wie schwierig für alle Beteiligten der Umgang mit einer Person ist, die sich auf die ein oder andere Weise vom Durchschnittsmenschen unterscheidet. Selbst wenn man es gut meint, kann man dabei Fehler machen, sich selbst oder Dritte aus den Augen verlieren.

Quelle: programmkino.de

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