Happy End

Frankreich 2017 – 110 Min. - Wettbewerbsbeitrag Cannes 2017 - Regie: Michael Haneke. Mit Jean-Louis Trintignant, Isabelle Huppert, Matthieu Kassovitz, Franz Rogowski, Fantine Harduin u.a.
HappyMit zwei Goldenen Palmen in Folge, einem Oscar und zahllosen anderen Auszeichnungen hat Michael Haneke die Messlatte für einen neuen Film in kaum zu erreichende Höhen geschraubt. Doch nicht nur deswegen wirkt sein neuer Film „Happy End“, der im Wettbewerb von Cannes seine Premiere erlebte, wie ein Leichtgewicht im Oeuvre des Regisseurs.

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Der Laurent-Clan führt in der französischen Hafenstadt Calais ein florierendes Bauunternehmen. Patriarch der Familie ist der greise George (Jean-Louis Trintignant), der schon lange seine Lebenslust verloren hat. Seine Kinder Anne (Isabelle Huppert) und Thomas (Mathieu Kassovitz) leiten das Unternehmen, das sich gerade in einen Regressfall verstrickt sieht. Annes Sohn Pierre (Franz Rogowski) soll das Unternehmen eines Tages leiten, zeigt jedoch keinerlei Talent und auch kein Interesse an Arbeit. Thomas wiederum hat gerade seine 13jährige Tochter Eve (Fantine Harduin) aufgenommen, die bislang bei seiner ersten Frau lebte. Doch diese hat Selbstmord begangen, ein Schicksal, das etliche der Familienmitglieder geradezu anstreben.

Dass der Patriarch der Familie seine dahinsiechende Frau mit einem Kissen erstickte, ist ein deutlicher Hinweis auf „Amour“, dass die Enkelin Eve mit Vorliebe durch ihr Handy auf die Welt blickt und gern fragwürdige Experimente mit ihrem Hamster durchführt, lässt an „Benny‘s Video“ denken, und das Verhältnis zu den aus dem Maghreb stammenden Hausangestellten der Laurents verweist auf „Cache“. Wie ein Best Of -Haneke wirkt „Happy End“ in vielen Momenten, als würde der österreichische Regisseur in seinem neuen Film einen Rückblick auf seine Karriere werfen, Motive und Bilder, Figurenkonstellationen und Ideen zitieren.

Die typischen Haneke-Themen lassen sich finden - eine zunehmende Lieblosigkeit innerhalb der Gesellschaft wird aufgezeigt, die auch persönliche Beziehungen zersetzt, Vertrauen und zwischenmenschliche Nähe zerstört. Immer wieder blendet Haneke Monitore aller Art ein, Fernseher, Computerscreens, Handys, Überwachungskameras, Zeichen der Entfremdung, der Kommunikation aus zweiter Hand. Allein der alternde George liest hier noch Zeitung, doch der kulturelle, geistige Verfall seiner Umgebung hat ihn mit solchem Weltekel vergiftet, dass er nichts lieber tun würde, als endlich zu sterben.

Alles an „Happy End“, von den Figuren, über die präzisen, kalten Bilder der Kamera bis hin zum zynischen Grundton ist unverkennbar Haneke. Neu hingegen ist das intellektuelle Spiel, in welchem er derart viele Versatzstücke zusammenträgt und mit Selbstzitaten spickt. In kurzen Szenen werden allerlei Themen angerissen, gesellschaftliche Abgründe skizziert und seziert. Man hofft hiernach, dass sich der Regisseur mit dieser Art Retrospektive auf sein Werk nicht den Schlusspunkt einer langen und sehr erfolgreichen, brillanten Karriere gesetzt hat.