Kundschafter des Friedens

Deutschland 2016 – 90 Min. - Regie: Robert Thalheim. Mit Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Antje Traue, Thomas Thieme, Winfried Glatzeder, Jürgen Prochnow u.a.
KundschafterEine Art Altherren-James-Bond ist die vergnügliche, selbstironische Komödie „Kundschafter des Friedens“. Henry Hübchen wird als früherer ostdeutscher Top-Spion aus dem Ruhestand geholt. Gemeinsam mit seinem nicht mehr ganz taufrischen Ex-Team soll er dem BND dabei helfen, einen entführten BND-Mitarbeiter, seinen ehemaligen Gegenspieler, aufzuspüren. Die deutsche Agentenkomödie nimmt sich selbst nicht allzu ernst und funktioniert gerade deshalb wunderbar als selbstironischer, ungezwungener Unterhaltungsfilm. Darüber hinaus verfügt das Werk, das fast schon in Richtung Spionagefilm-Parodie geht, mit Henry Hübchen über einen famosen, ideal besetzten Hauptdarsteller. An seiner Seite eine toughe Antje Traue und alte Haudegen wie Michael Gwisdek, Thomas Thieme und als Spionage-Romeo Winfried Glatzeder ("Die Legende von Paul und Paula"). Ein herzhaftes Vergnügen!

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Für Jochen Falk (Henry Hübchen) ist die Überraschung groß, als eines Tages der BND auf der Matte steht. Falk, Pensionär im verdienten Ruhestand, war früher nämlich Top-Spion der DDR. Bis er 1985 von BND-Mitarbeiter Frank Kern (Jürgen Prochnow) enttarnt wurde. Der aber wurde nun mit dem künftigen Präsidenten von Katschekistan entführt. Das ist auch der Grund, wieso der BND nun Falks Hilfe braucht: er kennt sich in der Region gut aus und soll helfen, die Geiseln zu befreien. Falk stellt die Bedingung, dass er für die Aktion sein altes Team reaktivieren darf. Gesagt, getan. Gemeinsam mit Techniker Jacky (Michael Gwisdek), Organisator Locke (Thomas Thieme) und Frauenheld Harry (Winfried Glatzeder) macht er sich auf den Weg nach Katschekistan. Ihnen zur Seite steht BND-Analytikerin Paula, die die gestandenen Herren im Auge behalten und für Ordnung sorgen soll.

„Kundschafter des Friedens“ — so nannte die DDR tatsächlich ihre Spione. Die Partei-Diktatur nutzte diesen Euphemismus, um den Eindruck zu vermitteln, dass man ganz besonders für Frieden und die internationale Sicherheit eintrete. Nimmt man die ungezwungene Komödie mit seinen (bewusst eingebauten) historischen Ungenauigkeiten nicht allzu ernst, erlebt man 90 vergnügliche, kurzweilige Minuten. Das liegt auch daran, dass „Kundschafter des Friedens“ genüsslich mit Agentenfilm-Klischees und -Stereotypen spielt und diese mit viel Freude aufs Korn nimmt: von skurrilen Abhörmethoden aller Art (Stichwort: Aschenbecher) bis hin zum Macho-Gehabe in die Jahre gekommener Top-Spione. Gelungen ist auch, mit wie viel Sprachwitz und Situationskomik die modernen, top ausgestatteten BND-Agenten auf die früheren Spione aus dem Arbeiter- und Bauernstaat treffen. Dabei kommt es oft zu witzigen Zwischenfällen und humorvollen Situationen, wenn die antiquierten Spionage-Methoden (DDR) auf die zeitgemäßen, westlichen Techniken (BRD) treffen. Überzeugend ist zudem die Besetzung. Hier ist in erster Linie Henry Hübchen als originalgetreue, griesgrämige Berliner Schnauze zu nennen. Jochen Falk trauert seinen glorreichen Tagen als gefeierter Geheimdienstler nach, erweist sich trotz seines hohen Alters aber immer noch als gewiefter Fuchs, der das Ein-mal-Eins eines erfolgreichen (Ost-)Agenten beherrscht. Ähnlich verhält es sich mit den Nebendarstellern. Allen voran kann Michael Gwisdek als unfähiger und tollpatschiger Techniker humoristische Akzente setzen.