Loving

USA 2016 – 124 Min. - Regie: Jeff Nichols. Mit Joel Edgerton, Ruth Negga, Marton Csokas, Nick Kroll, Terri Abnex, Alano Miller, Michael Shannon
LovingWie sehr der Wunsch zu heiraten auch politisch sein kann als Symbol der Gleichberechtigung, zeigt Jeff Nichols engagiertes Südstaatendrama "Loving". Heute kämpfen dafür homosexuelle Paare, Ende der 50er Jahre kämpfte das gemischtrassige Paar Mildred und Richard Loving, das im Mittelpunkt von Jeff Nichols Film steht. Ein berührendes Werk, das ganz unspektakulär die Welt der 60er Jahre im Süden der USA auferstehen lässt und konkret zeigt, was es bedeutet, wenn ein intoleranter Staat das Leben einzelner Menschen bestimmen will. Für ihre Darstellung einer einfachen, aber starken schwarzen Frau war Ruth Negga für den Oscar nominiert.

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Virginia, 1958. Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) Loving sind jung und verliebt, haben Arbeit, Freunde, und planen zu heiraten und ein Haus zu bauen. Nichts anderes also, als tausende andere junge Paare auch. Mit einem Unterschied: Richard ist weiß und Mildred schwarz. Ende der 50er Jahre hat die Bürgerrechtsbewegung zwar erste Früchte getragen, doch das Paar lebt im amerikanischen Bundesstaat Virginia, der geographisch zwar weit im Norden liegt, politisch aber ein Südstaat ist. Im benachbarten Washington D.C. kann das Paar zwar legal heiraten, in Virginia ist die Ehe jedoch nicht nur nicht anerkannt, sondern gar verboten. Juristische Mittel gibt es keine und so wird das Paar vertrieben, verlässt seine Heimat und hofft.

Jahre vergehen, Kinder werden geboren, mit den Kennedys nimmt eine liberale Haltung Gestalt ein. Mildred schreibt einen Brief an den Justizminister Bobby Kennedy, ein Akt der Hoffnung und Verzweiflung, der die Dinge aber tatsächlich ins Rollen bringt: Bis vor das höchste Gericht der Nation, den Supreme Court, geht der Fall, bis endlich festgestellt ist, dass das Verbot gemischtrassiger Ehen gegen die Verfassung verstößt. Doch was als bahnbrechender Präzedenzfall in die Geschichte eingeht, ist für das Ehepaar Loving nur die Bestätigung eines ganz selbstverständlichen Rechts.

Es ist eine dieser kaum glaublichen Ironien der Geschichte, dass das Ehepaar in diesem spektakulären Fall tatsächlich Loving hieß. Kein Drehbuchautor hätte es gewagt, diesen Namen zu wählen, der so sehr auf den Punkt bringt, um was es dem Paar geht: Zusammenleben, sich lieben, heiraten zu dürfen.

Die juristischen Feinheiten des Falls, die Argumente der Anwälte und Richter reduziert Nichols auf das Nötigste, inszeniert keine flammenden Reden vor Gericht, verzichtet auf jegliches moralisch aufgeladene Pathos. Was in diesem Fall richtig ist, ist ohnehin von Anfang an klar. Von dieser Selbstverständlichkeit ist Nichols Inszenierung geprägt, von der Normalität einer gemischtrassigen Ehe, die er bewusst nicht zum Symbol für den Kampf um Gleichberechtigung stilisiert.

Dementsprechend inszeniert Nichols auch keine pathetischen Bilder, als das Verfassungsgericht ihnen Recht gibt, zeigt keine jubelnde Menschenmenge, ist noch nicht mal im Gerichtssaal dabei. Stattdessen ist er in diesem Moment bei Mildred Loving, die die Nachricht, für die sie Jahrelang gekämpft hat, in der Küche am Telefon entgegennimmt. Ein kurzer, banaler Anruf, der alles ändert, der vor allem aber das bestätigt, was eigentlich ganz selbstverständlich ist.