No Country for Old Men

USA 2007 – 122 Min. – Farbe – Cannes 2007, 2 Golden Globes 2008 – Regie & Drehbuch: Joel & Ethan Coen. Mit Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson u.a.
NoMit der Adaption von Cormac McCarthys Roman "No Country for Old Men" kehren Joel und Ethan Coen zu ihren kreativen Wurzeln zurück. In bester "Blood Simple"–Tradition zeichnet ihr schwarzhumoriges Crime–Drama ein düsteres Portrait der menschlichen Natur. In den Hauptrollen liefern sich Josh Brolin und Javier Bardem ein elektrisierendes Duell, das dem Film beste Oscar–Chancen eingeräumt.

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Eine karge Landschaft, schweigsame Menschen, ein missglückter Drogendeal und der Traum von einem besseren Leben. Das sind die Zutaten der neusten, in Cannes uraufgeführten Arbeit der Coen–Brüder. Joel und Ethan, die seit ihrem Erstling "Blood Simple" immer wieder die zweifelhafte Moral der Spezies Homo sapiens erforschten, bleiben sich und ihrem Gesamtwerk mit der recht losen Verfilmung von Cormac McCarthys Roman "No Country for Old Men" treu. Irgendwo zwischen tiefschwarzer Komödie, aufrichtigem Drama und perfekt arrangierten Suspense–Kino lässt sich die Geschichte um einen einfachen Mann einordnen, dessen Leben durch den Fund eines Koffers und 2 Millionen Dollar eine neue Wendung nehmen soll.

Eigentlich wollte er nur einige Tiere schießen. Doch während Llewelyn Moss (Josh Brolin) noch darauf wartet, dass ihm etwas Essbares vor das Zielfernrohr seines Gewehrs läuft, macht er eine ganz andere Entdeckung. In der Einöde der texanischen Wüste sollte augenscheinlich ein Drogengeschäft abgewickelt werden. Davon zeugen ein paar tote Mexikaner, eine Wagenladung Heroin sowie ein Koffer randvoll mit Dollarnoten. Llewelyn überlegt nicht lange. Er nimmt das Geld und macht sich aus dem Staub. Dass sich im Koffer ein Peilsender befindet, der ihn zur Zielscheibe eines psychopatischen Killers (Javier Bardem) werden lässt, davon ahnt Llewelyn zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts.

"No Country for Old Men" vereint ein mehr als außergewöhnliches Schauspiel–Ensemble. Allen voran Josh Brolin und Javier Bardem liefern unter der Regie der Coens die vielleicht stärksten Leistungen ihrer bisherigen Karriere ab. Brolin, der zuletzt in Ridley Scotts "American Gangster" den Bad Cop gab, übernahm den Part des fast schon bemitleidenswerten Anti–Helden, der halb sehend, halb blind in sein Verderben rennt. Brolins Präsenz und Ausstrahlung erinnert des öfteren an Nick Nolte, dessen Spezialität bekanntlich auch in der Darstellung gebrochener Existenzen lag. Kam es bei Llewelyn darauf an, dass sein Handeln zu jedem Zeitpunkt für den Zuschauer verständlich und nachvollziehbar erscheinen sollte, galten vergleichbare Regeln für Bardem allenfalls in der Theorie. Llewelyns Verfolger ist ein in ein Bolzenschussgerät vernarrter Sadist, ein Irrer, der keine Gefangenen macht. Bardem transportiert all dies mit einer beängstigenden Kälte und Präzision. Während einer recht frühen Strangulationsszene genügt ein Blick in seine Augen, damit sich einem die Nackenhaare aufstellen.

Die Coens lieben es, Geschichten aus dem Herzen Amerikas zu erzählen. Dort, wo die Weite der Landschaft alles überragt, setzen sie eine Spirale aus Gewalt und Chaos in Gang, aus der es letztlich kein Entrinnen gibt. Mit jeder neuen Szene – vom ersten Aufeinandertreffen der Kombattanten im versifften Motel bis zur Schießerei auf offener Straße – kommen hier die tödlichen Einschläge ein kleines Stück näher. Auf blutigen Pfaden und verpackt in lakonische Bilder erzählt "No Country for Old Men" von der trügerischen Hoffnung auf ein richtiges Leben im Falschen.