Paris kann warten

(Bonjour Anne) USA 2017 – 92 Min. - Regie: Eleanor Coppola. Mit Diane Lane, Arnaud Viard, Alec Baldwin u.a.
ParisSechszehn Jahre ist es her, dass Eleanor Coppola ihren ersten und bis dato einzigen Film gedreht hat. Mit ihrer Doku „Hearts of Darkness“ über die Dreharbeiten ihres Ehemanns Frances zu „Apocalypse Now“ konnte sie damals 1991 einiges Aufsehen erregen. Nun legt sie im Alter von achtzig Jahren ihren ersten Spielfilm vor, der auch wieder autobiografische Züge trägt und vom Leben als Ehefrau eines ewig betriebsamen Filmproduzenten erzählt.

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Diane Lane spielt diese Frau, Anne Lockwood, die nach einem Besuch der Filmfestspiele in Cannes ihren Mann Michael (Alec Baldwin), nicht nach Budapest begleiten will, weil man ihr wegen ihrer Mittelohrentzündung von einem Flug abrät. Stattdessen chauffiert sie Jacques (Arnaud Viard), ein französischer Geschäftspartner im Auto nach Paris. Eigentlich eine Fahrt von wenigen Stunden, doch der französische Charmeur und Lebemann hat es nicht eilig. Zu zahlreich sind die Versuchungen am Wegesrand, vom edlen Restaurant bis zur römischen Sehenswürdigkeit. Nicht zu vergessen seine schöne Beifahrerin, der er taktvoll den Hof macht.

Im altersschwachen Peugeot geht es quer durch Frankreich, hier eine Pause, dort ein Umweg, um edle Restaurants zu besuchen, römische Aquädukte zu bestaunen oder ins Filmmuseum zu gehen. Jacques macht der schönen Frau unverhohlen, aber taktvoll den Hof, nie geht er zu weit, nie vergreift er sich im Ton. Und irgendwann scheinen die Reisenden ihr Ziel, nämlich Paris, aus den Augen zu verlieren.

„Paris kann warten“ ist das Spielfilmdebüt von Eleanor Coppola, Ehefrau von Francis Ford Coppola und Mutter von Sofia Coppola. Die Geschichte, die sie hier erzählt, hat sie selbst erlebt: 2009 begleitete sie ihren Mann nach Cannes und konnte dann wegen einer schweren Kopfgrippe den Flug nach Osteuropa nicht antreten. Die zweitägige Autofahrt nach Paris hat ihr nach eigenem Bekunden die Augen geöffnet für die Schönheit der Landschaft, aber auch für die Genüsse am Wegesrand: leckere Speisen, guter Wein, interessante Architektur. Hauptdarstellerin Diane Lane, die sich schon in „Unter der Sonne der Toskana“ (2003) von südeuropäischer Lebensfreude anstecken ließ, pendelt glaubwürdig zwischen Unbehagen und Vergnügen, zwischen Widerstand und Fallenlassen. Sie ist eine selbstbewusste, etwas steife Amerikanerin, die sich von ihrem Mann vernachlässigt fühlt und – wie Eleanor Coppola – den Verlust eines Kindes betrauert. So ist der Film sehr nah dran am Leben von Eleanor Coppola, die sich mit dem Schreiben des Drehbuchs und der Übernahme der Regie so etwas wie einen späten Traum erfüllt hat. Allerdings beschreibt „Paris kann warten“ auch eine sehr abgeschlossene Welt der Reichen und Schönen, in denen „normale“ Menschen gar nicht vorkommen oder — ob als Kellner oder Museumswärter — nur stören. Alltagsrealität findet hier kaum statt, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt.