Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Deutschland 2016 – 99 Min. - Regie: Julian Radlmaeir. Mit Julian Radlmaier, Deragh Campbell, Beniamin Forti, Kyung-Taek Lie, Ilia Korkashvili, Zurab Rtveliasvili
SelbstkritikDer beste deutsche Film der diesjährigen Berlinale lief nicht etwa im großen Wettbewerb, sondern in der Sektion Perspektive Deutsches Kino, wo der junge Filmemacher Julian Radlmaier seinen neuen Film „Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes“ vorstellte. Der ist mit seinem skurrilen, selbstironischen Humor zwar ein Nischenprodukt, aber ein besonders originelles.

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Julian ist angehender Filmemacher, natürlich in Berlin, der mit den alltäglichen Problemen von jungen, noch nicht etablierten Filmschaffenden in Deutschland zu kämpfen hat: Er hat Probleme mit der Finanzierung seines neuen Projektes. Die Filmförderung gibt kein Geld und so sieht sich Julian genötigt, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Doch ganz der Kreative macht er aus der Not eine Tugend, zumal er ein schüchternes Auge auf die liebreizende Kanadierin Camille geworfen hat, die wie so viele Expats in Berlin ihr Zelt aufgeschlagen hat: Er behauptet kurzerhand, der Job sei Recherche für seinen nächsten Film, der die Arbeitsbedingungen in einer quasi kommunistischen Gemeinschaft zum Thema haben soll - und verspricht Camille die Hauptrolle.

Das Schöne hieran ist die Selbstironie mit der Radlmaier sich und die Welt, in der er sich bewegt, zeigt. Präzise skizziert er das Berliner Hipsterleben, meist junge Menschen aus aller Welt, die irgendwie im Kunstbereich aktiv sind. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen ist Radlmaier bewusst, in welch privilegierter Blase er sich bewegt und ist reflektiert genug, sich und seine Generation mit liebevoller Selbstironie zu porträtieren.