Das unerwartete Glück der Familie Payan

(Le Petit locataire) Frankreich 2016 – 100 Min. – Regie: Nadège Loiseau. Mit Karin Viard, Philippe Rebbot, Hélène Vincent, Manon Kneusé, Antoine Bertrand u.a.
DasMit ihrem Spielfilmdebüt gelingt der französischen Regisseurin Nadège Loiseau ein wunderbares „feel-good movie – à la française“. Herzerfrischend erzählt sie die Geschichte einer liebenswerten, kleinbürgerlichen Familie am Rande des Chaos. Allen voran trägt Hauptdarstellerin Karin Viard als patente Frau, die kurz vor der Menopause überraschend schwanger wird, die liebevoll-ironische Familienkomödie.

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Familie scheint nicht selten die Katastrophe schlechthin. Eine einzige Achterbahn von Gefühlen. Außerdem kann sie sich keiner aussuchen. Und meist kommt man trotzdem nicht voneinander los. Kein Wunder also, dass sich das Genre, der „Familien und andere Katastrophen“-Komödien samt aller Patchwork-, Kommunen- oder Regenbogen-Varianten immer wieder bewährt. Schließlich kann fast jeder Zuschauer ein Lied davon singen.

Auch Nicole Payan (Karin Viard) geht ihre Familie manchmal ganz schön auf die Nerven. Die knapp 50jährige Französin verdient die Brötchen, pflegt ihre alte Mutter (Hélène Vincent) und kümmert sich auch noch, um ihre sechsjährige Enkelin Zoe. Denn Tochter Arielle (Manon Kneusé) denkt nicht ans Ausziehen und macht es sich im „Hotel Mama“ bequem. Ihr Mann Jean-Pierre (Philippe Rebbot) hängt immer noch dem Traum vom hoffnungsvollen Sportler nach und trainiert lieber den Turner-Nachwuchs des Ortes, als eine geregelte Arbeit aufzunehmen. Dass er notorisch zu spät kommt, ist Nicole schon gewöhnt. Und so klappt es auch diesmal nicht. Denn eigentlich wollte sich der ganze Clan gemeinsam vom ältesten Sohn Vincent (Raphael Ferret) verabschieden, der für sechs Monate als Koch auf einem U-Boot in See sticht. Doch am Kai angekommen sehen sie das Schiff nur noch beim Abtauchen. Dass sich Nicole plötzlich übergeben muss, schiebt sie auf den Stress und glaubt an Wechseljahresbeschwerden. Aber bald wird sie eines Besseren belehrt.

Dass einem die Figuren ans Herz wachsen, liegt sicherlich nicht zuletzt am intensiven Spiel der entfesselten Schauspieltruppe, insbesondere an der absolut authentischen Hauptdarstellerin Karin Viard. In Frankreich ist die zweifache César-Preisträgerin längst ein Star. Trotzdem ist die attraktive Normannin aus Paris uneitel, offen und kaum geneigt, sich geheimnisvoll zu geben, um das Interesse wachzuhalten. Wie bereits als taubstumme Bäuerin in der Erfolgskomödie „Verstehen Sie die Béliers?“ nimmt sie die Einladung zur Groteske, die der Film streckenweise bietet, gerne an. „Ich mag diese Komik in den Dingen“, sagt sie. Früher, als sie mit siebzehn Jahren anfing, Schauspielunterricht zu nehmen, habe sie immer eine Prinzessin sein wollen. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht meiner Energie entsprach.“

Die komödiantischen wie melodramatischen Momente dieses gelungenen Regiedebüts von Nadège Loiseau haben es durchaus in sich. Denn trotz allem Clinch, der Aus- und Zusammenbrüche, unterstützen sich die Familienmitglieder am Ende in schwierigen Zeiten und lassen sich nicht unterkriegen.