7 Tage in Entebbe

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7 Tage in Entebbe - 2018 Filmposter

In José Padilhas 7 TAGE IN ENTEBBE spielen Rosamund Pike und Daniel Brühl die deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, die zusammen mit zwei Palästinensern am 27. Juni 1976 eine Air France Maschine auf ihrem Flug von Tel Aviv nach Paris kapern und eine Landung in Entebbe, Uganda, erzwingen. Die israelischen Geiseln an Bord sollen gegen palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Mit einem Ultimatum von nur einer Woche muss die Regierung in Israel nun eine schwerwiegende Entscheidung treffen…

Der Brasilianer Padilha, der 2007 mit TROPA DE ELITE den Goldenen Bären gewann, sieht sich hier als unabhängiger Beobachter dieses Konflikts, den das Kino schon mehrfach bespiegelt hat. Er verlegt den Schwerpunkt weg von der militärischen Operation, hin zu den Innenansichten im Flugzeug bzw. stillgelegten Flughafen-Terminal, wo die deutschen Terroristen gezwungen sind, die jüdischen Geiseln zu separieren und damit in den Augen der Weltpresse von marxistischen Freiheitskämpfern zu Nazis degradiert werden, die wieder einmal Juden in ihrer Gewalt halten.
Noch spannender geht es zu in Jerusalem, wo Verteidigungsminister Shimon Peres den Hardliner gibt, dem der pragmatische Premierminister Yitzhak Rabin am Ende klein beigeben muss, obwohl er weiß, dass die Zeit für Taten zu Ende geht und man nicht drum herum kommen wird, eines Tages mit den Palästinensern reden und auch verhandeln zu müssen.

Besonders um letzteren Aspekt geht es dem brasilianischen Regisseur, der die Darstellung der bloßen Fakten dieser sieben Tage nur als Ausgangspunkt für weitreichende Überlegungen nimmt. Dass er dabei besonders auch den israelischen Einsatz als den großen Erfolg schildert, der er unzweifelhaft war, mag die Kritik, dass Padilha sich hier allzu sehr auf die Seite der Palästinenser schlägt, im Keim ersticken. Eine Kritik, die schon in den ersten Momenten des Films aufkommen könnte, wenn in kurzen Texttafeln die Geschichte Israels referiert wird: 1947 die Unabhängigkeitserklärung und als Folge der sofortige Beginn des Kampfes der Palästinenser, die ihr Land zurückerobern wollten. Wie die Geschichte ausging ist bekannt, wodurch sich Israel – so zumindest sieht es offenbar Padilha – auf den Weg der Gewalt begab, der zu einer wechselseitigen Folge von Anschlägen und Vergeltungsschlägen geführt hat, die die Fronten immer mehr verhärtet haben.

Mit einem gewagten Kunstgriff spannt Padilha schließlich den Bogen von 1976 bis zur Gegenwart: Immer wieder schneidet er von der Flugzeugentführung zu Tanzszenen mit Choreographien des Israelis Ohad Naharin (letztes Jahr in der Doku „Mr. Gaga“ porträtiert), ein ausgewiesen kritischer Beobachter seines Landes und seiner zunehmend radikalen Politik. Dabei probt die Batsheva Dance Company ein Stück, in dem es darum geht, dass man sich von allem – hier symbolisiert durch die Kleidung – frei machen muss, um offen für etwas Neues zu sein. Im Showdown erwarten uns dann weniger die Blendgranaten und das Dauerfeuer der Befreier, sondern eine Tanz-Performance von erstaunlicher Kraft, emotional aufgeladen und mit krampfhaften Bewegungen, die die Befreiung als wahre Tortur darstellen.

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