VorschauSTART | 11.08.2022

Alcarràs Die letzte Ernte

Goldener Bär 2022

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Regisseurin Carla Simón - erstmals 2017 mit ihrem Debüt FRIDAS SOMMER auf der Berlinale vertreten - erzählt in ihrem neuen Film von einer Familie, deren gepachtete Pfirsichplantage im katalanischen Alcarràs einem Solarpark weichen soll. Inspiriert von ihrer eigenen Großfamilie, beschreibt die Regisseurin einfühlsam und detailliert, wie hier drei Generationen unter einem Dach zusammenleben und wie die äußeren Umstände auf sie einwirken.

Im Film droht der Familie Solé die Zwangsräumung. Zwar gehört ihnen das Haus, das sie bewohnen, nicht aber das von ihnen bewirtschaftete Land. Der Erbe des jüngst verstorbenen Besitzers der Plantage will nun die Pfirsichbäume roden und diese durch eine lukrativere Solarfarm ersetzen. So steht nun ihre letzte Ernte bevor, eine Herausforderung für alle, die zu zunehmenden Spannungen führt, denn die Familienmitglieder reagieren sehr unterschiedlich auf die Situation. 

Während sich Vater Quimet vehement den Tatsachen verschließt, beruft sich Großvater Rogelio auf ein lang zurückliegendes Versprechen des damaligen Verpächters. Dieser hatte ihm aus Dank dafür, ihm im Spanischen Bürgerkrieg das Leben gerettet zu haben, die Bewirtschaftung des Grundstück auf Lebenszeit zugesichert. Leider gibt es darüber keinerlei Dokumente und somit auch keine rechtliche Grundlage, die der Familie das Bleiben ermöglichen würde.

Die jüngere Generation der Familie hingegen – auch aufgrund der immer schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen – steht den Veränderungen aufgeschlossener gegenüber. Das Angebot, weiter auf der Anlage zu arbeiten und sich um die Solaranlage zu kümmern, ist für sie immerhin eine Option, zumal sie von der Lebensmittelwirtschaft seit Jahren durch Dumping-Preise um die Früchte ihrer Arbeit geprellt werden. 

„Ich wollte einen vielstimmigen Film machen, weil ich zeigen wollte, was es bedeutet, Teil einer großen Familie zu sein. Sich überkreuzende Dialoge, entgegengesetzte Energien, Durcheinander, subtile aber bedeutungsvolle Gesten, Emotionen mit Dominoeffekt … Jedes Mitglied der Familie Solé versucht, seinen Platz in der Welt in einem Moment zu finden, in dem sie kurz davor sind, ihre familiäre Identität zu verlieren“, erklärte die Regisseurin Carla Simón auf der Berlinale. „Dabei haben wir mit großartigen nicht-professionellen Schauspieler*innen aus der Gegend von Alcarràs gearbeitet, die eine wirkliche Verbindung zum Land und zum Boden haben und die den besonderen Dialekt dieser katalanischen Region sprechen.“

Am unbekümmertsten sind immer noch die Kinder. Sie geben sich den Spielen in der freien Natur hin oder helfen bei der Ernte. Doch auch sie bekommen die Veränderungen zu spüren. Hierfür findet die Regisseurin kongeniale Bilder. Gleich zu Beginn des Films sehen wir die sechsjährige Iris mit anderen Kindern in einem alten Autowrack spielen. Phantasievoll malen sie sich eine Verfolgungsjagd aus und gehen ganz in ihrem Spiel auf. Ein paar Tage später schafft ein Kran das Auto fort. Als die Kleinen sich auf die Suche nach einem anderen Spielplatz machen, stoßen sie immer wieder auf Einschränkungen durch die Erwachsenen. Das Ende einer Idylle naht.

Bei ihrer detaillierten und liebevollen Sezierung der innerfamiliären Strukturen richtet Simón den Fokus ganz bewusst auf die Jüngsten, die der sorgenvollen Erwachsenenwelt mit Einfallsreichtum, Originalität und positiven Urvertrauen begegnen. So steht am Ende neben dem Kampf zwischen Tradition und Moderne und dem Abgesang auf eine untergehende bäuerliche Welt auch ein positiver Blick auf das Leben, das immer irgendwie weitergehen wird. 

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