Am Strand

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Am Strand - 2017 Filmposter

In der Verfilmung von Ian McEwans tragischem Roman „Abbitte“ zerstörte sie aus kindlicher Unwissenheit heraus die große Liebe ihrer älteren Schwester. In dieser weiteren Adaption einer Novelle des großen britischen Schriftstellers gerät ihre eigene junge Ehe durch unausgesprochene Traumata und die Verklemmtheit ihrer Zeit in große Gefahr: Saoirse Ronan - jetzt schon eine der profiliertesten und am meisten honorierten Schauspielerinnen ihrer Generation. Gemeinsam mit Billy Howle wird sie in einer fatalen Hochzeitsnacht mit sexuellen Ängsten konfrontiert. Alternierend zwischen präziser Studie und Impressionen einer romantischen Liebesgeschichte, zeichnet Dominic Cooke ein ernüchterndes Sittengemälde der damaligen Prüderie – wenige Jahre vor der sexuellen Revolution um 1968.

Lachend promenieren die frisch Vermählten den Strand entlang: Edward Mayhew (Billy Howle) und Florence Ponting (Saoirse Ronan). Im Hotel angelangt, legt sich ein Schleier der Befangenheit über beide. Wenig hilfreich für das Zustandekommen eines auflockernden Gesprächs sind die beiden verstohlen kichernden Hotelpagen, die das Dinner servieren und Wein einschenken. Edward kann kaum erwarten, dass die beiden endlich verschwinden, derweil Florence deren Gehen hinauszuzögern versucht. Ihrem Mann steht erwartungsvolle Vorfreude und Aufregung ins Gesicht geschrieben. Aus ihrem starren Blick und der Schnappatmung, sobald er einmal kurz nicht hinsieht, spricht hingegen schiere Panik vor dem Bevorstehenden: der Hochzeitsnacht. Die Spannung in der Luft ist greifbar, doch anstatt über ihr jeweiliges Empfinden zu sprechen, verheddern sich die Zwei in einem Frage- und Antwortspiel, das sie immer wieder in die gemeinsame junge Vergangenheit zurückwirft. Auf diese Weise wird auch sukzessiv die Vorgeschichte des jungen Paares entblättert, das sich nun in einer beklagenswert unangenehmen Lage wiederfindet. Andeutungsweise werden auch Erklärungen dafür geliefert, die die beinahe unheilvoll die Geschehnisse überschattende Aussprache so unmöglich erscheinen lässt. Schließlich kommt es, wie es kommen muss: Edward beginnt ungeschickt zu fummeln, Florence kreischt panisch auf und flüchtet hinaus auf den Chesil Beach. Die offene Aussprache folgt zwar, aber zu spät und mit weitreichenden Konsequenzen. Was in der Novelle konsequent in der einen verheerenden Hochzeitsnacht komprimiert wird, spinnt die Verfilmung, zu der Ian McEwan persönlich das Drehbuch beisteuerte, kongenial weiter und präsentiert ein Geflecht komplexer Emotionen und divergierender Erwartungshaltungen, die schließlich in der unbeholfenen und scheuen Körperlichkeit der zwei unaufgeklärten Liebenden kulminieren.

Thematisch an die wohl prominenteste McEwan-Verfilmung „Abbitte“ anknüpfend, erzählt auch „Am Strand“ über eine große Liebe und die Reue, die mit fatalistischen Entscheidungen Hand in Hand geht. Dezent entwirft Regisseur Dominic Cooke dieses Bild der lustfeindlichen Schwellenzeit im England der Nachkriegszeit und trifft dabei genau den richtigen Ton für die unerträglich peinliche, erstickende Atmosphäre, die sich im Hotelzimmer über das Paar breitet. Wenn auch schlussendlich versöhnlicher gestaltet als die Vorlage, berührt diese Liebesgeschichte nicht zuletzt wegen der starken Chemie zwischen Saoirse Ronan und Billy Howle, die mit eindringlichen Darstellungen glänzen und die Beklemmung der unglücklichen Ausgangslage des Paares greifbar machen.