CandelariaEin kubanischer Sommer

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Candelaria - 2017 Filmposter

Eine gefundene Videokamera bringt den eingefahrenen Alltag und das Liebesleben eines langjährigen Ehepaars überraschend wieder in Schwung. Der im krisengeschüttelten Kuba der 1990er-Jahre angesiedelte Film des Kolumbianers Jhonny Hendrix Hinestroza eroberte schon auf verschiedenen Festivals Preise und das Herz des Publikums. Jetzt tritt er in unseren Kinos an, um zu zeigen, dass Armut im Alter der Freude am Leben nicht entgegenstehen muss.

Ein Tag scheint wie jeder andere im Leben von Candelaria und Victor Hugo. Die beiden Mittsiebziger leben in Kubas Hauptstadt Havanna. Die Bevölkerung leidet unter einer Verschärfung des Wirtschaftsembargos durch die USA und unter dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die Kuba wirtschaftlich unterstützt hat. Auch das betagte Ehepaar leidet unter chronischem Geldmangel. Dass sie abends meist bei Kerzenschein zusammensitzen ist weniger der Romantik geschuldet – ihre Beziehung hat sich im Laufe der Jahre eher abgekühlt – denn der schieren Not. Um über die Runden zu kommen, müssen beide noch arbeiten gehen. Victor hat einen Job in einer Zigarrenfabrik, Candelaria in der Wäscherei eines Hotels. Als sie dort eines Tages unter der Schmutzwäsche eine Videokamera findet, wird das Leben der zwei Senioren gründlich auf den Kopf gestellt. Statt ihren Fund abzugeben, nimmt Candelaria die Kamera mit zu sich nach Hause. Zunächst ist diese ein Fremdkörper für die Eheleute. Doch Candelaria und Victor beginnen sich mehr und mehr für das Fundstück zu interessieren und fangen an, sie auszuprobieren und zunehmend in ihr Leben zu integrieren. Bald ist die Kamera immer dabei, was einen erstaunlichen Effekt hat. Ihre Experimentierfreude erwacht. Sie filmen sich gegenseitig und entdecken so neue Facetten am Ehepartner, beim Tanzen, Küssen und Austauschen von Zärtlichkeit. Ihre scheinbar erloschene Liebe entflammt erneut.
Groß ist ihr Entsetzen, als die Kamera eines Tages gestohlen wird. In seiner Verzweiflung sieht Victor nur einen Ausweg: Er wendet sich an den berüchtigten Hehler Hugo „El Hormigueo“, bei dem viele Dinge landen, die in Havanna abhanden kommen. Und tatsächlich ist dieser in den Besitz der Kamera gelangt, aber keineswegs bereit, sie ohne Gegenleistung wieder abzugeben. Stattdessen macht er den beiden ein „unmoralisches“ Angebot.

„Zu fast jeder meiner Geschichten habe ich einen persönlichen Bezug, so auch bei dieser“, erzählt Regisseur Hinestroza über seinen Film. „Als ich vor einigen Jahren eingeladen wurde, einen meiner Filme im Rahmen des Havanna Film Festivals zu zeigen, begegnete ich in einer kleinen Nebengasse der Stadt einer alten Dame mit dem Namen Candelaria. Diese erzählte mir ihre sehr persönliche Geschichte. Diese Geschichte wurde geprägt von einer Reihe unvorhersehbarer Zufälle und hat persönliche Bezüge zu meiner eigenen Jugend. Sie diente mir als Vorlage für diesen Film.“
Liebevoll fängt Kameramann Soledad Rodríguez das Leben der beiden Protagonisten ein, die sich im hohen Alter noch einmal neu entdecken. Regisseur Hinestroza lässt ihnen genügend Raum zur Entwicklung, nimmt sein Erzähltempo zurück zugunsten einer nuancierten Charakterstudie, nicht ohne diese mit lakonischem Witz zu würzen. Nicht aus dem Blick geraten dabei die gesellschaftlichen Verhältnisse eines von politischer Instabilität und Drogenhandel geprägten Landes im Kampf ums Überleben in wirtschaftlich schweren Zeiten.