Die Frau, die vorausgeht

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Die Frau, die vorausgeht - 2017

Im Frühjahr 1889 reist die verwitwete Malerin Catherine Weldon, dargestellt von Jessica Chastain, von New York nach Dakota, um im Reservat niemand Geringeren als Sitting Bull zu porträtieren - zum Unwillen der Soldaten, die sie der Spionage verdächtigen. Schlimmer noch: Sie muss erleben, wie die Armee die Indianer mit hinterlistigen Intrigen vernichten will. Ruhig erzählter Spätwestern nach einer wahren Geschichte, der die komplexen Machtspiele der Armee Oberen aufdeckt und gleichzeitig in den Gesprächen zwischen Weldon und Sitting Bull aufschlussreich über die Kultur der Indianer erzählt.

Nur wenige Wochen nach „Feinde – Hostiles“ kommt ein weiterer Western in die Kinos, der versucht, ein adäquates Bild der Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner zu zeichnen und gleichzeitig der Kultur der Indianer gerecht zu werden. Er tut dies mit weniger Gewalt und Grausamkeit als der Vorgänger. Regisseurin Susanna White ging es nicht so sehr um Action, sondern um die politischen Winkelzüge, mit denen weiße Politiker, vertreten durch hochrangige Soldaten, den Indianern ihr Land stahlen. Erzählt wird diese Geschichte – der Titel deutet bereits daraufhin – aus der Sicht einer Frau: Catherine Weldon (Jessica Chastain), eine junge Witwe, die sich der Malerei verschrieben hat. Im Frühjahr 1889 verlässt sie das zivilisierte New York und fährt nach Dakota, um niemand Geringeren als Sitting Bull zu porträtieren.

Wenn sie zu Beginn im weißen, eleganten Kleid durch die staubige, einsame Prärie marschiert, muss man ihr eine gewisse Naivität unterstellen. Auf dieses Land war sie nicht vorbereitet, auf die kalten, unfreundlichen, sogar gewalttätigen Siedler schon gar nicht. Damit nicht genug: Bereits im Zug hatte Catherine Colonel Groves (Sam Rockwell) kennen gelernt, der sie der Spionage verdächtigt und unbedingt loswerden will. Er bereitet nämlich im Reservat Wahlen vor, bei denen die Indianer über den Ausverkauf ihres Landes abstimmen sollen. Zeugen kann er keine gebrauchen, und Agitatoren, die den Indianern die Augen öffnen, erst recht nicht. Catherine bleibt stur. Sie lernt trotz aller Widerstände Sitting Bull (Michael Greyeyes) kennen, einen weisen, friedfertigen Mann, der die furchtlose Frau wegen ihres forschen, zielstrebigen Gangs „Woman Walks Ahead“ tauft. Vertrauen und Sympathie prägt fortan ihre Beziehung. Doch mit der hinterlistigen Intrige, die Groves vorgesetzter Commanding Officer (Ciarán Hinds) einfädelt, haben sie nicht gerechnet.

Eine wahre Geschichte, die sich so oder ähnlich zugetragen hat, Catherine Weldon hat es wirklich gegeben (ihr richtiger Vorname ist Caroline), zwei ihrer vier Ölgemälde von Sitting Bull hängen in amerikanischen Museen. Die Gespräche zwischen ihr und dem Häuptling nehmen im Film einen großen Raum ein. Drehbuchautor Steven Knight vermittelt interessante Einsichten in die Kultur der Ureinwohner und das Leid, das sie erdulden mussten, er zeigt Sitting Bull als zwar machtlosen, aber immer noch stolzen Mann. Catherine hingegen ahnt, dass sie ihre Beobachterrolle aufgeben und sich engagieren muss, um eine Katastrophe zu vermeiden. Der Film macht dabei nicht den Fehler, ihnen eine Liebesgeschichte anzudichten. Die wenigen Andeutungen, die auf eine erotische Spannung hinweisen könnten, etwa der gemeinsame Aufenthalt in einem Zelt oder Sitting Bulls Kleiderwechsel, sind vage.

Die eigentliche Stärke des Films liegt woanders, nämlich in der Beschreibung der komplexen Machtspiele der Armee Oberen. Das unfreundliche Misstrauen von Colonel Groves, sein Versuch, Wahlen zu fälschen, und das vorgetäuschte Verständnis des Commanding Officers haben letztendlich nur ein Ziel: die Vernichtung der Indianer. Die unmittelbare Folge dieser Machenschaften, darauf verweist eine Schrifttafel im Abspann, ist das Massaker vom Wounded Knee.