Donbass

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Donbass - 2018 Filmposter

Als Eröffnungsfilm der Cannes-Nebenreihe Un Certain Regard lief Sergei Loznitsas „Donbass“ am 9. Mai, also dem Tag, der in Russland als Tag des Sieges gefeiert wird. Zufall oder nicht, eine passende Programmierung für einen schonungslosen, manchmal auch zynischen Blick auf den Krieg in der Ostukraine, in den Russland mehr oder weniger offen involviert ist, der aber ganz sicher nie mit einem Tag des Sieges gefeiert werden wird.

Zwischen 2014 und 2017 existierte im Osten der Ukraine ein von niemandem anerkannter Staat: Neurussland nannte sich das Gebilde, das von Separatisten ins Leben gerufen wurde, die sich gegen den gewählten Präsidenten stellten. Dass diese Soldaten von Russland unterstützt wurden, ist kein Geheimnis, doch wie weit der Einfluss von Putins Regierung wirklich ging, ist kaum klar zu beantworten, nicht zuletzt deswegen, weil die Ostukraine für unabhängige Berichterstatter kaum zugänglich ist. In dieser Region, die historisch als Donbass bezeichnet wird (abgeleitet von Fluss Donez und dem Donezbecken), spielt der vierte Spielfilm des seit langem in Deutschland lebenden, aus der Ukraine stammenden Regisseur Sergei Loznitsa. Aus 13 Episoden, die sich in den letzten Jahren im Donbass zugetragen haben, besteht der Spielfilm, der sich dadurch mehr als die früheren Spielfilme Loznitsas auf der Grenze zwischen dokumentarischem und fiktivem bewegt. „Donbass“ ist wuchtiges, manchmal auch exzessives Kino, dass zwar manchmal über das Ziel hinausschießt, gerade dadurch aber auch so bewegt.