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VorschauSTART | 23.07.2020

EdisonEin Leben voller Licht

AWARDS: Toronto 2017

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Edison - 2017 Filmposter
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“Die Glühbirne ist tot - Es lebe die Glühbirne!” mag man ausrufen, wenn man diesen Film gesehen hat. Denn Regisseur Alfonso Gomez-Rejon und sein Kameramann Chung-hoon Chung tauchen diesen Film in ein grandioses Licht. Kein fahles Leuchtstoffröhren-Geflacker und kein kaltes LED-Licht, sondern satte Farben und warme Töne sorgen hier für spektakuläre Kinobilder, die den Kampf um die Elektrifizierung Amerikas lustvoll in unsere Netzhaut brennt.

Dabei bringt der Originaltitel THE CURRENT WAR (Der Stromkrieg) das Geschehen besser auf den Punkt, denn es geht hier nicht um das Biopic eines genialischen Wissenschaftlers, sondern um ein Stück amerikanischer Geschichte, das die ganze Welt verändern sollte. Dennoch, am Anfang stand die Glühbirne, und die war unbestreitbar eine Erfindung von Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch), einem egomanischen Erfinder, der sich seines Egos bewusst ist und inszeniert gerade die Elektrifizierung Manhattans mit der Einweihung der Straßenbeleuchtung, indem er wie ein Zauberer aus dem Dunkeln Licht schafft. Dabei versichert er sich der Unterstützung von Presse und Präsident und leitet eine Art Goldgräberstimmung in der Stromindustrie ein. Doch es wäre keine Geschichte des Amerikanischen Traumes, wenn es nicht einen Widersacher gäbe, und der hieß George Westinghouse (Michael Shannon), ein steinreicher Industrieller aus dem benachbarten Bundesland Pennsylvania. Er ist ein ehrenwerter Amerikaner. Bescheiden, demütig und uneitel hat auch er nur seine Sache im Kopf. Im Gegensatz zu Edison setzt er nicht auf Gleichstrom, sondern auf Wechselstrom und ist sich sicher, das bessere System zu haben. Der Krieg zwischen den beiden wird nie direkt ausgefochten, sondern findet im wesentlichen auf den Titelseiten der Zeitungen statt. Und je mehr Edison in Bedrängnis kommt, zu desto unlauteren Methoden greift er. So inszeniert er für die Presse die Hinrichtung eines Pferdes mit einem einzigen Stromschlag, um zu zeigen, wie gefährlich der Westinghouse-Generator ist. Doch der Schuss geht nach hinten los und gilt heute als Geburtsstunde des elektrischen Stuhls. Den größten Fehler machte Edison, weil er das wissenschaftliche Talent des serbischen Immigranten Nikola Tesla nicht erkannte. Ihm sind die Eitelkeiten und Rivalitäten der beiden Kontrahenten egal, sie geben ihm letztendlich den Raum, den er braucht, um seine Erfindungen umzusetzen. Dass sich Westinghouse seiner Dienste versichert, entscheidet letztlich diesen Krieg.

Erstaunlich, dass Autor Michael Mitnick diesen Stoff zunächst als Musical entwickelte. Doch seine Inszenierung am Manhattan Theatre wollte niemand sehen, bis ein Filmagent ihm vorschlug, aus dem Projekt einen Film zu machen. Für Regisseur Alfonso Gomez-Rejon enthält das Drehbuch viele große Kinothemen, wie z.B. die Sucht nach Erfolg und was ein Mann bereit ist, dafür zu tun. Er lotet das Spannungsfeld zwischen Ego und Demut aus und versichert sich der Mitarbeit eines kongenialen Kameramannes, der fantastische Bilder- und Lichtwelten erschafft. Denn wenn er eins nicht wollte, dann ein BBC-Historiendrama zu drehen. Sein Film sollte amerikanisch und modern sein und das rasende Tempo jener Zeit widerspiegeln, in der eine Erfindung die nächste jagte. Am Ende fährt Edison eine desaströse Niederlage ein, doch er erholt sich schnell und bricht auf zu neuen Ufern. Er erfindet das Grammophon und später den Kinematographen. Doch der eigentliche Sieger ist Nikola Tesla, der osteuropäische Außenseiter, nach dem noch heute eine Firma benannt ist, die sich gerade anschickt, die Welt zu revolutionieren: mit Elektroautos.