VorschauSTART | 25.07.2019

Ein ganz gewöhnlicher Held

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Ein ganz gewöhnlicher Held - 2018 Filmposter
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Eine öffentliche Bibliothek als letzter Ort für Demokratie und Menschlichkeit. In Emilio Estevez neuem Film „Ein ganz gewöhnlicher Held“ wird dem Zuschauenden die Möglichkeit eröffnet die sozialen Missstände in Amerika, in erster Linie Obdachlosigkeit, durch den Blick eines Bibliothekars zu betrachten. Als bei einer Kältefront in Cincinnati alle Notunterkünfte belegt sind, sucht eine Gruppe Obdachloser für die Nacht Zuflucht in einer Bibliothek. Doch was als friedliches Sit In beginnt, spitzt sich durch eine mediale Fehlberichterstattung und politischen Eigennutz immer mehr zu.

Obdachlosigkeit ist ein weltweites Problem, an dessen Anblick wir uns fast schon gewöhnt haben. Der Drehbuchautor, Regisseur und Protagonist Emilio Estevez hat mit seinem Film ein sensibles Werk geschaffen und balanciert zwischen gesellschaftlichen Fragen im Hinblick auf Obdachlosigkeit und Einsamkeit, die er wiederum mit der Wichtigkeit von Bibliotheken in Zusammenhang bringt. Dabei spart er nicht an humorvollen Szenen, Wortwitzen und Überraschungen, die den Zuschauenden immer wieder zum Schmunzeln bringen. Er skizziert die Realität und zeigt uns verschiedene Sichtweisen und Einstellungen gegenüber Obdachlosen bzw. Obdachlosigkeit. Zwar sind die Charaktere etwas eindimensional bzw. leicht stagniert in ihrer Rolle, doch genau dadurch erfüllen sie ihren Zweck: das Problem bleibt im Fokus und verliert nicht durch überflüssige Erzählstränge an Relevanz. So untermauern unter anderem ein eigennütziger und sehr unsympathischer Bürgermeister (Christian Slater), der kurz vor einer Wahl steht und ein Polizist (Alec Baldwin), auf der Suche nach seinem drogenabhängigen Sohn, der vermutlich ebenfalls obdachlos ist, die Problematik und machen ein Aufeinandertreffen im Verlauf des Films möglich. Die öffentliche Bibliothek steht für einen der letzten Orte, an dem jeder willkommen ist und wo die sozialen Hintergründe keine Rolle spielen.

Es gibt einen öffentlichen Zugang zum Internet und zu jeglicher Literatur. Außerdem haben Menschen ohne festen Wohnsitz hier die Möglichkeit, sich auszutauschen und im Warmen zu treffen – ein Ort an dem sie als Teil der Gesellschaft gesehen werden. Des Weiteren wird die Relevanz durch eine die Wahrheit zu ihrem Vorteil verdrehende Reporterin deutlich. Im Gegensatz zu der täglichen Berichterstattung der Medien geht es in Büchereien um Fakten — die Wahrheit über Geschichte und unser kulturelles Erbe. In einer Zeit wie dieser sind sie somit einer der letzten Orte der Demokratie. Der Regisseur und Autor versucht in seinem Film auf soziale Missstände in Amerika aufmerksam zu machen und einer Randgruppe eine Stimme zu geben bzw., wie in dem Film gesagt, eine Stimme zu geben, die bleibt. Er schafft Solidarität mit den Unterdrückten. Zwar geschieht dies zunächst nur im Film, aber vielleicht dient er als Anregung für eine Handlung oder zumindest Diskussion zu dem gezeigten Thema. Der Film überrascht mit seinem Ende — bietet dabei keine Lösung, aber genauso wenig gibt es eine Lösung in unserer Gesellschaft für diese Problematik. Emilio Estevez bringt jedoch etwas Licht in ein Thema, vor dem wir allzu gerne die Augen verschließen. Dies schafft er auf eine unterhaltsamen Art und Weise, die uns trotz dessen nachdenklich den Kinosaal verlassen lässt.