Es gilt das gesprochene Wort

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Es gilt das gesprochene Wort - 2018 Filmposter
Vorführungen
Bambi
  • Mo26.08.
  • Di27.08.
  • Mi28.08.
  • Do29.08.
  • Fr30.08.
  • Sa31.08.
  • So01.09.
  • Mo02.09.
  • Di03.09.
  • Mi04.09.
  • Do05.09.
  • Fr06.09.
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Informationen

Ilker Çataks Abschlussfilm „Fidelity“ an der Hamburg Media School "gewann 2015 den Studenten-Oscar und sein munterer Kinderfilm „Indianerland“ überzeugte Kritiker wie Publikum. Auch sein neuer Film ES GILT DAS GESPROCHENE WORT wurde gerade auf dem Filmfest München mit Preisen bedacht - zu Recht, kann er doch mit einem überzeugenden Ensemble und einem intelligenten Drehbuch der nicht ganz neuen Thematik Scheinehe mit geschickten Wendungen überraschende Seiten abgewinnen.

Die Gegensätze bei dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte scheinen zunächst gewaltig. Sie eine emanzipierte Pilotin, die ihre Gefühle fest im Griff hat, er ein an der türkischen Riviera lebender Kurde, der seinen mehr als bescheidenen Lebensunterhalt als Restauranthilfe mit seiner Tätigkeit als Gigolo am Strand aufpeppt mit dem Ziel, dort eine der alleinstehenden Touristinnen aufzureißen, die ihn dann mit nach Europa nehmen und durch eine Scheinehe ein besseres Leben ermöglichen soll. Und tatsächlich geschieht nach zahlreichen gescheiterten Versuchen genau das, als Baran auf Marion trifft, die sich eigentlich fundamental von seinen normalen Zielobjekten unterscheidet. Ihr Umgangston Mitmenschen gegenüber ist eher rau, ganz nach dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“. Erfolgreich in einem von Männern dominierten Beruf, ist sie es gewohnt, die Fäden in der Hand zu behalten. Sie unterhält eine lockere Beziehung mit einem anderweitig gebundenen Mann, was sie keinesfalls stört, liebt sie doch ohnehin ihre Unabhängigkeit. Diese ist jedoch bedroht, als sie beim Besuch ihres Gynäkologen die Schock-Diagnose Brustkrebs erhält. Da sie während der Behandlung nicht mehr fliegen darf, ist sie quasi berufsunfähig. Um nicht jeglichen Lebensmut zu verlieren, stimmt sie dem Angebot ihres Liebhabers zu, mit ihm erst einmal in den Urlaub  in die Türkei zu fahren. Der Zufall will es, dass Marion und Baran in den Ferien aufeinander treffen. Zwar erstickt sie dessen Avancen schon im Ansatz im Keim, doch irgendetwas fasziniert sie auch an ihm. Sie lässt sich seine Telefonnummer geben und fasst nach ihrer Rückkehr in die Heimat den für alle Beteiligten überraschenden Beschluss, mit Baran die Ehe auf Zeit einzugehen, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Fast wie einen neuen Job geht sie das Unternehmen Scheinehe an und findet daran eine neue Aufgabe. Entschlossen und energisch macht sie sich daran, das Leben ihres Schützlings in Deutschland zu organisieren. Sie besorgt ihm eine eigene Wohnung, präpariert ihn für Behördengänge, meldet ihn zur Fahrschule und zum Sprachkurs an, vermittelt ihm sogar einen Job, meidet aber jede unnötige emotionale Bindung. Doch trotz aller Distanz und unterschiedlichem kulturellem und sozialem Background kommen die beiden sich näher und näher, fechten dabei aber zwangsläufig auch einen Emanzipationskampf aus. Baran fühlt sich zunehmend eingeengt und setzt alles daran, bald ein eigenständiges Leben führen zu können. Als er verdächtigt wird, am Arbeitsplatz gestohlen zu haben, und auch noch ihre Ex-Affäre Raphael Ärger macht und sich für die Abfuhr rächen will, eskaliert die Situation und Marion muss sich entscheiden.

Çataks Erzählstil ist eher nüchtern, seine Hauptfigur Marion zwar eloquent, aber auch sehr spröde, was dem Zuschauer zunächst Empathie erschwert. Die großartige Anne Ratte Polle und der Neuling Oğulcan Arman Uslu verkörpern ihre Figuren aber so überzeugend, dass wir Stück für Stück hinter die Fassade ihrer komplex angelegten Charaktere blicken und sie uns mehr und mehr ans Herz wachsen.