Leid und Herrlichkeit

AWARDS: Bester Hauptdarsteller Cannes 2019

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Leid und Herrlichkeit - 2019 Filmposter
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Seit über 40 Jahren dreht Pedro Almodóvar Filme, längst ist er einer der Größten des internationalen Kinos und legt nun, mit fast 70 Jahren, nicht nur seinen persönlichsten, sondern auch einen seiner schönsten Filme vor. Unverhohlen autobiographisch ist „Leid und Herrlichkeit“, der im Wettbewerb von Cannes Premiere feierte und für Begeisterung sorgte, und zugleich ein visuell herausragender Film über das Wesen eines Künstlers.

Vor 30 Jahren drehte der Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) seinen berühmtesten Film, doch die Dreharbeiten waren von schweren persönlichen und beruflichen Problemen überschattet. Nun steht eine Jubiläumsvorführung an und Salvador beschließt, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen: Er kontaktiert seinen damaligen Hauptdarsteller Alberto (Asier Etxeandia), dessen Darstellung er gelinde gesagt wenig geschätzt hat. Während Salvador inzwischen ein gefeierter Star ist, lebt Alberto in einer bescheidenen Wohnung, spielt Off-Theater – und raucht regelmäßig Heroin. Angesichts dauerhafter Rückenschmerzen, Migräne und anderen Leiden lässt sich Salvador zu einem Experiment hinreißen. Im Fiebertraum des Rausches erinnert er sich an seine Kindheit, das Leben mit seiner Mutter (Penélope Cruz) und seine ersten Begegnungen mit dem Kino. Und einige Tage später ruft plötzlich seine große Liebe Federico (Leonardo Sbaraglia) bei ihm an. Spätestens wenn das Plakat zu Fellinis autobiographischen Meisterwerk „8 ½“ an einer Wand zu sehen ist, dürfte deutlich sein, dass der ohnehin stets aus seinem Leben schöpfende Pedro Almodóvar besonders nah an seinen eigenen Erfahrungen erzählt. Diesmal geht es um einem älteren Künstler, einen weltweit erfolgreichen schwulen Regisseur, der seine wilden Jahre in Madrid verbrachte.

Bei allen Parallelen zwischen Salvador und Almodóvar, darf man „Leid und Herrlichkeit“ jedoch nicht als klassisch autobiographischen Film verstehen. Nicht 1:1 erzählt dieser aus seinem Leben, sondern nimmt eigene Ereignisse, Erfahrungen, Enttäuschungen als Anlass, um über das Wesen eines Kunstschaffenden zu reflektieren, vor allem aber über die Emotionen eines Mannes.

Diese Version Almodóvars spielt Antonio Banderas, der seit 30 Jahren mit dem Regisseur befreundet ist, in etlichen seiner Filme mitgespielt hat, einige Jahre gar mit ihm zusammenwohnte. Während Almodóvar dem Ruf Hollywoods nie folgte, war Banderas lange Zeit der Mann, der angerufen wurde, wenn es in Amerika darum ging, Latin Lover zu besetzen. Ein bisschen zu schön war er vielen, um wirklich als Schauspieler ernst genommen zu werden, doch mit den Jahren, mit den Falten, hat auch Banderas an Gravitas gewonnen. Nicht zuletzt ein vor wenigen Jahren erlittener Herzanfall hat nach eigenen Aussagen seinen Blick aufs Leben geändert, ein neuer Erfahrungsschatz, den er hier einsetzt. So zart und verletzlich wie in „Leid und Herrlichkeit“ wirkte Banderas noch nie. Ohne in Pathos und Melodrama zu fallen, deutet er die Selbstzweifel seiner Figur an, die Fehler und Versäumnisse, die sich in Jahrzehnten angesammelt haben, den Versuch, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Zu Recht wurde er in Cannes mit dem Preis für den Besten Hautdarsteller ausgezeichnet.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag im September hat Pedro Almodóvar mit „Leid und Herrlichkeit“ einen Film gedreht, der einerseits sein Oeuvre konsequent fortsetzt, andererseits aber auch eine neue Richtung einschlägt: Hin zu einem Kino, das seine Kraft nicht mehr aus Exzess oder melodramatischer Übertreibung schöpft, sondern sich ganz aus den Emotionen seiner Figuren speist. Ein großer Film von einem großen Regisseur.