Leto

AWARDS: Cannes 2018

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Leto - 2018 Filmposter

Bei seiner Premiere in Cannes durfte der russische Regisseur Kirill Serebrennikov nicht anreisen, um seinen neuen Film LETO, eine liebevolle Hommage an die Underground-Musikszene im Leningrad der frühen achtziger Jahre kurz vor der Perestroika, persönlich auf dem Festival vorzustellen. Drei Tage vor Ende der Dreharbeiten war er verhaftet worden wegen angeblicher Veruntreuung von Subventionsgeldern. Dem Erfolg konnte diese Maßnahme aber nichts anhaben. Am Ende konnte LETO zwar keine Preise abräumen, stellte aber einen frühen Höhepunkt des Festivals dar und fand schnell nationale und internationale Verleiher.

Im Mittelpunkt steht der Aufstieg des jungen Viktor Tsoi, den es tatsächlich gegeben hat, und der zu den beliebtesten und bekanntesten Musikern des Landes zählte, bis ihn ein Autounfall mit 28 Jahren aus dem Leben riss. Sein großes Vorbild: der etablierte Rockmusiker Mike Naumenko, der ihn unter seine Fittiche nimmt und ihn mit dem Musikstil des Westens – David Bowie, Lou Reed, T. Rex, Led Zeppelin und Blondie – bekannt macht.
Doch Viktor will mehr sein als nur eine Kopie. Schon früh fällt der Russe mit koreanischen Wurzeln auf durch seine poetischen Texte, die Systemkritik üben und dabei ganz nah an den Menschen bleiben. Viktor findet im Laufe des Films seine eigene Stimme, die von ihm gegründete Band ‘Kino’ wird zum Sprachrohr einer sich nach Freiheit sehnenden Jugend.

Der Regisseur fokussiert seinen Film auf die letzte Phase der Sowjetära, in der das System bereits so erstarrt war, dass es nur noch dahinsiechte. Die Kunst war die einzige Möglichkeit, aus dieser Erstarrung auszubrechen. Serebrennikov geht seine Inszenierung weniger analytisch denn emotional an und so gelingt es ihm, den Zuschauer mitzureißen und tiefe Sympathie für seine Figuren zu entfachen.
Der Regisseur fängt das Geschehen ein in elegante Schwarz-Weiß-Bilder im Normalformat (1:1.33), die zuweilen unterbrochen werden durch bunte Traumsequenzen im Stil früher MTV-Videos. Diese zeigen das, was zwar nicht passiert ist, was aber hätte passieren können, verkörpern jugendliche Rebellion und die Hoffnung, dass Veränderung immer möglich ist, solange sie in den Köpfen präsent ist. Dieses Zusammenspiel der verschiedenen Stile verleiht dem Film eine besondere Lebendigkeit.

Ein weiteres großes Plus ist der Humor und die gekonnt eingesetzte Ironie, die die Spielhandlung durchzieht. Großen Raum nehmen auch die zarten Bande ein, die sich zwischen dem Protagonisten und Mikes schöner Frau Natasha knüpfen. Obwohl sie ihren Mann Mike aufrichtig liebt, fühlt sie sich auch zu Victor hingezogen. Diese Menage à trois wird sehr feinfühlig und behutsam inszeniert und verleiht dem Film eine unterschwellige Melancholie und besonderen Reiz.

Und last but not least sind es die Songs, die den Film zu einem wahren Genuss machen. Dazu gehört Tsoi’s  eigene Musik und den zahlreich dargebotenen westlichen Songs der damaligen Ära, darunter Iggy Pops THE PASSANGER, PSYCHOKILLER von den Talking Heads oder den von David Bowie für Mott the Hoople geschriebenen Song ALL THE YOUNG DUDES.
In Cannes konnte der Regisseur der Premiere seines Werkes zwar nicht beiwohnen, doch schließlich gab es doch noch ein Happy End. In diesem Sommer kam LETO ganz normal in die russischen Kinos. Sein Prozess jedoch hat soeben erst begonnen.

Im Programm
Leto - 2018 Filmposter
Bambi

Leto

Biografie, Drama • RU 2018 • 126 Min • FSK 12 • Regie: Kirill Serebrennikov

2. Woche
  • Fr16.11.
  • Sa17.11.
  • So18.11.
  • Mo19.11.
  • Di20.11.
  • Mi21.11.
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  • Fr23.11.
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