VorschauSTART | 24.10.2019

Lieber Antoine als gar keinen Ärger

Infos Vorführungen

Lieber Antoine als gar keinen Ärger - 2017 Filmposter
Vorführungen
Cinema
  • Fr18.10.
  • Sa19.10.
  • So20.10.
  • Mo21.10.
  • Di22.10.
  • Mi23.10.
  • Do24.10.
  • Fr25.10.
  • Sa26.10.
  • So27.10.
  • Mo28.10.
  • Di29.10.
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  • Datum:
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Vorpremiere 

Cinema
Mo21.10.1919:00

10,00 EUR/8,00 EUR
Normal / Gildepass

Informationen

In Frankreich hat der „Figaro“ ihn vergangenes Jahr als „Komödie des Jahres“ tituliert, Regisseur Pierre Salvadori selbst bezeichnete seinen Film im November 2018 bei der Eröffnung der Französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart als „Comédie Rock’n’Roll“. Ein Spaß ist die Geschichte über irrtümlich verbreitete Heldensagen und wie die Witwe eines Polizisten sowie ein unschuldig im Gefängnis einsitzender Zeitgenosse mit ihren Schicksalen umgehen in jedem Fall. Die Mischung aus Groteske und rührenden Beziehungsmomenten ist selten gut gelungen.

Ein toller Cop ist er gewesen, dieser Jean Santi (Vincent Elbaz). So toll, dass seine Heimatgemeinde ihm posthum ein Bronzedenkmal im Stadtzentrum errichtet, das ihn nun in actionreicher Pose mit Knarre in der Hand auf immer ehrt. Wenn sie ihren somit Waise gewordenen Sohn abends zu Bett bringt, verlangt der von seiner ebenfalls im Polizeidienst tätigen Mutter Yvonne (Adèle Haenel) am allerliebsten Erzählungen der großen Heldentaten seines Vaters. Die wiederum sind für die Leinwand in übertriebenen Parodien auf Polizei-Serien aufbereitet, nicht selten auch garniert mit grotesker Brutalität und hollywood-esker Action. Sie fungieren einerseits als Running-Gag, raffiniert an ihrer Binnendramaturgie aber ist ein interessanter Wesenszug, der eng damit verknüpft ist, dass Santis Heldenstatus im Laufe der Geschichte erhebliche Risse bekommt. Wie sich nämlich herausstellt, war Santi ein ordentlicher Blender, dem die Identität als Polizist nur dazu diente, selbst Gesetze zu brechen. Entsprechend fragt sich nun Yvonne, wer sie denn nun eigentlich ist, wenn ihr Ex offenbar ein bestechlicher und korrupter Halunke gewesen sein soll. Während sie sich nach ihrer Entdeckung mit der neuen Situation erst einmal arrangieren muss, hat jemand anderes acht Jahre Zeit gehabt, sich Gedanken über sein Leben zu machen. So lange nämlich saß Antoine (Pia Marmaï) wegen eines Überfalls auf einen Juwelierladen im Knast, hinter Gitter gebracht seinerzeit von keinem geringeren als Santi. Antoine weiß zwar, dass er unschuldig ist, das Gefängnis aber verlässt er trotzdem als gebrochener Mann – und erregt damit nun ordentlich Mitleid bei Yvonne, die sich freilich nicht als Witwe desjenigen zu erkennen gibt, der sein Leben ruinierte. Ein Unschuldslamm allerdings ist Antoine nach all diesen Jahren auch nicht mehr. Es ist in Summe das ungewöhnliche Konstrukt aus übertriebener Polizistengeschichte mit parodistischen Anleihen bei Cop-Movies in Verbindung mit Identitätssuche und sich neu anbahnenden Liebesgeschichten, die „En liberté!“ zu einer originellen und höchst unterhaltsamen Komödie werden lassen – nicht zuletzt auch dank einiger überraschender Regieeinfälle, genannt seien da lediglich jene in einem Sado-Maso-Club gedrehten Szenen. Adèle Haenel, bislang eher in nachdenklicheren Rollen vor der Kamera, hatte schon in Chris Kraus „Die Blumen von gestern“ (2016) den Spagat zwischen fantasievoller Exzentrik und ernsthafter Rolle sehr gut gemeistert. In diesem von Heldendemontage und der Befreiung alter Lasten handelnden Film, der mit seinen Gute-Nacht-Variationen, vielen anderen Überraschungsmomenten und einer großen emotionalen Bandbreite aufwartet, überzeugt sie nun als gespaltene Frau.