MaixabelEine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung

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Wie fühlt es sich an, als Witwe dem Mörder des eigenen Ehemanns gegenüberzustehen? Und was empfindet der Täter, wenn er das erste Mal den Angehörigen seines Opfers in die Augen sehen muss? Mit großer Sensibilität beleuchtet die spanische Regisseurin Icíar Bollaín eine Initiative der Versöhnung nach Jahrzehnten der Terroranschläge durch die baskische Untergrundorganisation ETA. Ein weiteres, unaufgearbeitetes Kapitel der spanischen Geschichte nach dem Franco-Regime tritt hier zu Tage. Meisterhaft wird eine wahre Begebenheit von Bollaín zu einem intensiven Drama um Schuld und die Schwierigkeit der Aussöhnung verdichtet.

Ein Schuss in einem Restaurant zerreißt das Leben von Maixabel Lasa (Blanca Portillo) und ihrer kleinen Tochter Maria. Zwei Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA haben sich dem Lokalpolitiker Juan María Jáuregui am Tisch genähert und ihm von hinten in den Kopf geschossen. Der ehemalige sozialistische Zivilgouverneur hatte sich immer geweigert, Leibwächter anzuheuern. Wenig später stirbt der Familienvater im Krankenhaus. Es dauert nicht lange, bis die Mörder gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt werden. Doch der Schmerz und die Trauer begleiten das Leben der Angehörigen täglich weiter. Zehn Jahre vergehen und aus Maixabel ist eine umstrittene Aktivistin geworden: Sie engagiert sich für die Konvivialität im Baskenland und das gemeinsame Gedenken der Opfer auf beiden Seiten. Eine Haltung, mit der sie in der polarisierten spanischen Gesellschaft voller alter Wunden nicht immer auf Verständnis stößt. Doch auch auf politischer Ebene verändert sich langsam etwas: Es entstehen Initiativen zur zivilgesellschaftlichen Aussprache und Versöhnung. 

Ibon (Luis Tosar) ist einer der beiden Mörder von Maixabels Mann. Er sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis und hat, wie viele ETA-Mitglieder dort, seinen radikalen Ansichten abgeschworen. Selbsthass, Angst und Reue quälen ihn. Eine junge Mediatorin tritt an die Täter mit einem Angebot heran. Wenn sie die Bereitschaft hätten, sich in einem neutralen Rahmen mit den Angehörigen der Opfer zu einer Aussprache zu treffen, stehe eine Verkürzung der Haft im Raum. Doch das erfordert den Mut, Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen, sich aus altem Gruppendenken zu lösen und der Vergangenheit zu stellen. Maixabel entscheidet sich für ein Treffen von Ibon. Nach all den Jahren hat die Tat sie noch immer nicht zur Ruhe kommen lassen und sie erhofft sich von dem Treffen eine Transformation dieser quälenden Situation, Antworten, eine Möglichkeit abzuschließen. Doch ihre Tochter Maria, die mittlerweile selbst ein Kind hat, sieht das anders. Wie viele andere Opfer kann sie diesen Schritt hin zur Versöhnung nicht akzeptieren. Das Echo der Gewalt scheint nun auch noch die Gemeinschaft der Angehörigen zu zerreißen.

Icíar Bollaín ist für ihre ruhigen und genau beobachteten Familiendramen bekannt. UND DANN DER REGEN oder DER OLIVENBAUM überzeugten durch ihre stille Kraft, die die Regisseurin in MAIXABEL gemeinsam mit der Co-Autorin Isa Campo zu einer neuen Höchstform steigert. Dabei merkt man dem Film an, dass Ken Loach zu den Mentoren Bollaíns gehörte. Ohne falsche Vereinfachungen zeigt MAIXABEL die Notwendigkeit, Feindbilder und den mit ihnen verbundenen Hass zu überwinden. Statt dessen konzentriert sich der Film auf eine Grauzone, in der sich die Schicksale der Menschen überschneiden und eine Auseinandersetzung zu mehr Klarheit und Verständnis führt. Dabei verfolgt er nicht unbedingt die Idee der Vergebung, wohl aber der einer gegenseitigen Konfrontation und Aussprache, mit dem Ziel, als Täter und Opfer gemeinsam im selben Land weiterleben zu können. Ein Anliegen, das weit über die Grenzen Spaniens hinaus gehört werden sollte.

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