Nicht ganz koscher

Deutscher Drehbuchpreis 2011

Infos Vorführungen

Vorführungen
Bambi
  • Mo15.08.
  • Di16.08.
  • Mi17.08.
  • Do18.08.
  • Fr19.08.
  • Sa20.08.
  • So21.08.
  • Mo22.08.
  • Di23.08.
  • Mi24.08.
  • Do25.08.
  • Fr26.08.
Informationen

In Alexandria gab es einst die größte jüdische Gemeinde der Welt. Nach einem Todesfall ist sie nun auf neun Männer geschrumpft. Um aber das Pessachfest feiern zu können, braucht es mindestens zehn Männer, weshalb man in Jerusalem um Unterstützung gebeten hat. Denn es steht mehr auf dem Spiel als nur die Festlichkeit: Ist die jüdische Gemeinde in Alexandria nicht mehr komplett, würden ihr Grund und Besitz an den ägyptischen Staat fallen.

Der Hilferuf erreicht Yechiel zum denkbar ungünstigsten Zeitraum, denn gerade hat er seinen Neffen Ben aus Brooklyn zurückbeordert. Der soll nun endlich sein Torah-Studium beenden und heiraten, den Heiratsvermittler hat er schon bestellt. Doch als sein Neffe mit Reisegepäck vor ihm in Jerusalem steht und er gar keine Zeit für ihn hat, kommt ihm die rettende Idee: Er schickt Ben auf eine göttliche Mission nach Alexandria, als rettenden zehnten Mann. Doch zur schnellen Sorte gehört Ben nicht gerade, und so ist es beinahe typisch für ihn, dass er den Flieger nach Alexandria verpasst. Notgedrungen nimmt er ein Taxi, wenigstens bis zur ägyptischen Grenze. Von dort aus geht es mit dem Bus weiter, eine naive Idee, und so dauert es nicht lange, bis die arabischen Mitreisenden ihn mitten in der Wüste Sinai an die frische Luft setzen. Hier trifft er auf den mürrischen Beduinen Adel, der zwar immer schlecht gelaunt ist, aber ein gutes Herz hat. Er verspricht ihm zu helfen, doch erst einmal muss er sein Kamel suchen, das ihm ausgerückt ist.
So machen sich die beiden auf zu einer Wüstentour, die sie zwar nicht unbedingt ihren Zielen näher bringt, aber dafür einander. Mit viel Verwunderung, aber auch Verständnis erfahren sie von den religiösen Gepflogenheiten des jeweils anderen, wundern sich über so manche religiösen Vorschriften und leben doch eine höchst mögliche Toleranz in Sachen Religionsfreiheit. Als schließlich ihr Jeep versagt, geht es zu Fuß weiter, und als Bens Wasch-Rituale die Trinkwasservorräte aufzuzehren drohen, diskutieren die beiden über religiöse Ausnahmeregelungen bei Todesgefahr. Am Ende finden Ben nicht nach Alexandria und Adel nicht sein Kamel, doch am Ende werden beide von letzterem gerettet.
Stefan Sarazin hatte die Idee zu diesem Film bereits Anfang der 2000er Jahre, als er sich für ein paar Wochen in ein Hotel nach Sinai zurückzog. In seinem Zimmer ging ein Fenster
nach Osten in Richtung Rotes Meer auf und aus dem anderen blickte er direkt auf die Wüste Sinai. So kam er auf die Idee, seine Protagonisten den Weg des Auszugs aus Ägypten gemäß dem Alten Testament laufen zu lassen, nur in umgekehrter Richtung. Zusammen mit Peter Keller finalisierte er das Drehbuch, für das sie bereits 2011 mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurden. Doch bis zu den Dreharbeiten sollten noch zehn Jahre ins Land ziehen.
Sie inszenieren mit viel Gefühl für Takt und Timing, zitieren öfter aus dem Alten Testament und bedienen sich eines feinen, hintergründigen Humors. Während die beiden Protagonisten auf ihrer inneren Reise den Regeln eines klassischen Road-Movies folgen, gleicht ihre äußere Reise eher einer Odyssee durch die Wüste und die Wirren des Glaubens. Am Ende jedoch steht eine Verständigung mit völkerverbindendem Charakter. So wird aus der kleinen Culture Clash Komödie zuletzt doch noch ein großes humanistisches Plädoyer, dem man gerne folgt, wenn man sich zuvor an der Kinokasse mit ausreichenden Getränken eingedeckt hat. //Kalle Somnitz