Sommerfest

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Noch ein „Deutschland – Ein Sommermärchen“ von Sönke Wortmann. Fußball spielt auch diesmal eine Rolle, vor allem aber handelt es sich um eine charmant-herzhafte Hommage an die Heimat. Die Liebeserklärung an den Ruhrpott wird verpackt in die Lovestory eines Schauspielers, der sich bei einer kurzen Heimkehr nach Bochum an die ganz großen Gefühle für seine Jugendliebe erinnert. Seine Beziehung in München ist längst ebenso in der Krise wie die Karriere. Höchste Zeit, auf den Reset-Knopf zu drücken! Nach Vorlage des Erfolgromans von Frank Goosen gelingt Wortmann ein sehr lässig erzählter Heimatfilm mit liebenswert ulkigen Figuren, reichlich Situationskomik sowie ziemlich cleverem Dialogwitz: „Kleine Haie“ lassen grüßen.

„Muss man dich kennen?“, die Frage hört Schauspieler Stefan (Lucas Gregorowicz) häufiger, als ihm lieb sein kann. Er ist nun einmal kein Star, schlimmer noch: Sein aktueller Vertrag am Münchner Theater wurde gerade gekündigt. Immerhin lockt ein neues Casting, seine Freundin, zugleich die Agentin, jubiliert über den Coup. wenngleich es nur um eine Seifenoper geht. Stefan hat derweil ganz andere Sorgen. Sein Vater ist unerwartet verstorben. Noch im Bühnenkostüm reist der Schauspieler sofort mit dem Zug nach Bochum. Vor über zehn Jahren hat Stefan seiner Heimat den Rücken gekehrt. Eigentlich will er in spätestens drei Tagen die Formalitäten der Beerdigung erledigt haben. Doch die Rückkehr in das elterliche Bergarbeiterreihenhäuschen gerät zum nostalgischen Trip mit ungeahnten Folgen.Die alten Freunde im Pott sind hart aber herzlich wie eh und je. „Omma“ Anne, die ihren kleinen Kiosk resolut gegen bewaffnete Ganoven verteidigt. Sein geschwätziger Kumpel Toto, der ewige Versager. Diggo, das grobe Großmaul mit goldenem Herzen. Oder der frustrierte Frank, der mit dem Job als Museumsleiter der ehemaligen Zeche so unglücklich ist wie mit seiner Ehe. Last not least ist da noch Charlie (Anna Bederke), Stefans große Jugendliebe.

„Eigentlich solltest du mittlerweile Eheprobleme haben!“, kommentiert Freund Frank den Beziehungsstatus des Heimkehrers. Der hat sich mit seinem lauen Liebesleben längst so abgefunden wie mit seiner Schauspiel-Karriere, die kaum je stattfand. Selbstbewusstsein war nie die große Stärke von Stefan. „Ich gehöre zu den Menschen, die Angst davor haben, dass jemand merkt, dass ich nichts kann“, bekennt er einmal. Früher war alles besser. Damals, als Stefan und seine Jugendliebe als das Traumpaar schlechthin galten. Heute reagiert er eher gereizt auf die Frage: „Was macht eigentlich Charlie?“. Soll er sie wirklich treffen, jene Ex, die ihm einst so viel bedeutete? Vielleicht erscheint Charlie ja beim titelgebenden Sommerfest des lokalen Fußball-Vereins. Dort muss Stefan allerdings erst wieder Fan-Fragen beantworten. „Wie ist die Ferres denn so privat?“

Mit großer Fabulierlust sowie spürbarem Herzblut erzählt Wortmann (zugleich Drehbuchautor) von seinen bisweilen schrägen, aber allemal liebenswerten Ruhrpott-Typen. Tragik und Komik liegen dabei nicht nur bei seinem geplagten Helden oft haarscharf nebeneinander. Vor einem Vierteljahrhundert schickte der Regisseur in „Kleine Haie“ seinen Helden vom Ruhrgebiet auf die Schauspielschule nach München. Diesmal geht die Reise in die umgekehrte Richtung – und präsentiert sich mit der erfrischenden Leichtigkeit von einst. Im Revier kennt sich der Sohn eines Bergmannes bestens aus. Wortmann weiß, wie diese Menschen ticken. Da stimmt jeder Dialog punktgenau. Derweil die gängigen Klischees vergnüglich jongliert und dann gebrochen werden.

Quelle: programmkino.de

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