Sunset

AWARDS: Venedig 2018

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Sunset - 2018 Filmposter
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Nachdem sein Holocaust-Drama „Son of Saul“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, begibt sich der Béla Tarr Schüler László Nemes weiter auf die Spur der europäischen Gewaltgeschichte und blickt diesmal nach Österreich-Ungarn zur Zeit der K.u.K.-Monarchie. In poetischen Bildern gelingt ihm ein traumhaft-surrealer Blick auf das gesellschaftliche Pulverfass vor dem Beginn des ersten Weltkrieges.

Die junge Iris Leiter (Juli Jakab) kehrt an ihren Geburtsort Budapest zurück, doch das angesehene Hutmachergeschäft ihrer Eltern, die bei einem ungeklärten Brand ums Leben kamen, befindet sich in fremden Händen. So fällt ihr Empfang dort entsprechend kühl aus, auch weil ihr Bruder mittlerweile für ein politisch motiviertes Verbrechen gesucht wird. Der Versuch das eigene Trauma zu ergründen, führt sie immer tiefer in die dekadente Gesellschaft zwischen Elendsproletariat und nationalistischen Untergrundkämpfern. Nemes gelingt auch mit seinem zweiten Film eine ästhetisch herausragende Erkundung der psychosozialen Situation Mitteleuropas, dessen Erschütterungen bis heute nachwirken – und sich im Erstarken des Rechtsextremismus nicht nur in Österreich und Ungarn zeigen. In atmosphärischen Bildern gelingt ihm ein formal außergewöhnlicher Historienfilm, der nicht auf die Ereignisse blickt, sondern die Zuschauer für den Teil der Geschichte sensibilisiert, der meist unsichtbar bleibt.