Voll verschleiert

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Voll verschleiert 2017 Filmposter

Wie herrlich sind doch diese Travestie-Komödien in der Tradition von "Manche mögens heiss" bis hin zu "Victor/Victoria" und "Mrs. Doubtfire". Brenzliger wird es aber in diesem Film, der nicht allein mit Genderrollen spielt, sondern auch gleich satirische Attacken gegen islamischen Fundamentalismus vollführt. Bevor es aber hysterische Aufschreie gibt, sei gesagt: der Humor bleibt (größtenteils) oberhalb der Gürtellinie. Sou Abadis Regiedebüt ist eine charmante, mit politischen Inkorrektheiten jonglierende Liebeskomödie, die eine schlussendlich versöhnliche Message in die Welt trägt.

In den vergangenen Jahren gab das Thema Radikalisierung wenig Anlass zum Lachen, insbesondere Frankreich traf der Terror besonders hart. Filme wie „Nocturama“ oder „Der Himmel wird warten“ arbeiteten die traumatischen Vorkommnisse und das delikate Sujet experimentell oder aber auch sehr feinfühlig und vorsichtig auf. Ob die Komödie „Voll verschleiert“ vielleicht zu früh kommt oder gerade den Nerv der Zeit trifft?

Zumindest umschifft Sou Abadi den derberen Humor, den die Geschlechtertausch-Komödie „Das Königreich der Frauen“ mit Charlotte Gainsbourg noch praktizierte. In „Voll verschleiert“ stehen die Wirtschaftswissenschaft-Studenten Armand (Félix Moati) und Leila (Camélia Jordana) im Fokus der Komödie, frisch verliebt und mit großen Ambitionen. Gemeinsam wollen sie ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York absolvieren. Kurz vor der Abreise kehrt jedoch Leilas Bruder Mahmoud (William Lebghil) von einem längeren Aufenthalt in Jemen zurück. Dass er sich einen langen Zottelbart stehen lässt, mag noch als modische Entscheidung durchgehen, doch auch sein Verhalten ist verdächtig anders als vor seiner Abreise. Seine jüngere, emanzipierte Schwester Leila, die in kurz geschnittenen Klamotten das Haus verlässt, wird von ihm sofort gescholten und in „ihre Schranken“ verwiesen! Der kleine Bruder soll sogar nach Jemen reisen und die gleiche Konditionierung durchlaufen, die Mahmoud mitgemacht hat und zum wahren Gläubigen werden. Der Zustand eskaliert – Mahmoud sperrt Leila zuhause ein und erteilt ihr fristlosen Hausarrest, bis sie Besserung gelobt. Um seine Geliebte überhaupt treffen zu können, muss Armand sich also einen Trick einfallen lassen. Fortan kehrt er als überfromme und vollverschleierte „Scheherazade“ im Hause ein und aus, um der sündigen Leila Nachhilfe in Religion zu erteilen. Dass Scheherazade mit ihrem scheuen Wesen und den wunderschönen Augen unbeabsichtigt Mahmoud den Kopf verdreht, kristallisiert sich nur als eines von vielen Problemen heraus. Denn auch Armands Eltern stößt das verwunderliche Verhalten ihres Sohnes, der sich plötzlich in dubiose Lektüren vertieft und sich in Lügen verheddert, vor den Kopf und weckt böse Ahnungen.

Natürlich sind katastrophale Missverständnisse bei dieser ausgelassenen Maskerade vorprogrammiert. Die Begleitumstände ebendieser, wie das Outfit selbst, regen natürlich zu Diskussionen an. War man hier zu zahm oder wurde am Ziel vorbeigeschossen? Regiedebütantin Sou Abadi arbeitet sich zwar primär an altbekannten Genre-Mustern ab, schafft es aber besonders mithilfe urkomischer Nebenfiguren – wie beispielsweise Armands superlibertärer Mutter, die einst vor dem Terror floh und ebendiesen nun mit feministischem Eifer bekämpft – die Suppe an Klischees nie zu versalzen. Frecher Witz, der den religiösen Fanatismus kompromittiert, und charmante Darsteller garantieren kurzweilige Unterhaltung.

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