Vom Ende einer Geschichte

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Vom Ende einer Geschichte - 2017 Filmposter

Der pensionierte, allein lebende Besitzer eines kleinen Geschäfts für gebrauchte Leica-Kameras wird durch einen Brief mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Als Student hatte er sich vor fast 50 Jahren in ein schönes Mädchen verliebt, das sich aber schon bald seinem besten Freund zuwandte. Doch der nahm sich kurz darauf das Leben. Was wohl aus seiner großen Liebe wurde? Nach all den Jahren trifft er sich mit ihr – und muss eine bittere Wahrheit erfahren. Beklemmendes, konsequent aus der Perspektive der männlichen Hauptfigur erzähltes Drama nach dem gleichnamigen Buch von Julian Barnes, das 2011 mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet wurde. Die Themen: Erinnerung und Lebenslügen, Reue und Bedauern. Von Jim Broadbent und Charlotte Rampling vielschichtig gespielt.

Tony Webster (Jim Broadbent) führt in London ein zurückgezogenes, vielleicht etwas langweiliges Leben. In einem kleinen Geschäft verkauft er gebrauchte Leica-Kameras – und das in Zeiten digitaler Technik. Mit seiner Ex- Frau Margaret (Harriet Walter) versteht er sich gut, auch wenn er ihr manchmal mit seinen Marotten auf die Nerven geht. Gelegentlich begleitet er seine lesbische, gleichwohl hochschwangere Tochter (Michelle Dockery) zum Geburtsvorbereitungskurs. Dieser geordnete Lebensabend gerät durcheinander, als Tony von einer Kanzlei einen Brief erhält. Er soll das Tagebuch seines besten Freundes Adrian Finn erben, der sich vor langer Zeit das Leben genommen hat. Nun springt der Film in gelegentlich eingestreuten Rückblenden zurück in das Jahr 1965, zu Tonys Jahren an der Universität. Der Zuschauer erfährt, wie er sich mit dem gutaussehenden, hoch intelligenten Adrian (Joe Alwyn) anfreundet und sich in die bezaubernde, aber kapriziöse Veronica (Freya Mavor) verliebt. Er will etwas Festes, sie will ihre Freiheit – eine unüberbrückbare Kluft. Und darum wandte sich Veronica damals Adrian zu, die Drei sahen sich nie wieder. Jetzt, nach all diesen Jahren, verhindert Veronica (nun dargestellt von Charlotte Rampling) die Herausgabe von Adrians Tagebuch. Warum? Tony bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihr zu treffen. Aber sie hat eine bittere Wahrheit für ihn parat, die er für immer verdrängt zu haben schien.

Regisseur Batra hat diesen Komplex um Identität und Lebenslügen geschickt auf die Leinwand übertragen und in eine verschachtelte Erzählung übersetzt, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Denn: Die Vergangenheit ist im Alter in der Erinnerung stets präsent, und nicht jeder kann die Grausamkeit der Jugend aushalten. Das macht aus Tony, dessen Perspektive Buch und Film einnehmen, einen unzuverlässigen Erzähler. Seine Schlussfolgerungen treiben zwar die Geschichte voran, aber sie sind häufig auch falsch. Das Erkennen der Wahrheit trifft ihn darum am Schluss umso heftiger. Diese Reue, dieses Bedauern, diese Scham um ein jugendliches Fehlverhalten, das auch ein halbes Jahrhundert später Tonys Charakter prägt, teilt sich dem Zuschauer ungebremst mit und macht aus „Vom Ende einer Geschichte“ ein wuchtiges Melodram, dessen Wehmut vom Regisseur immer wieder durch komische Zwischenspiele unterlaufen wird. Nicht zu vergessen die darstellerischen Leistungen von Jim Broadbent und Charlotte Rampling, die ihren Figuren Tiefe und Vielschichtigkeit verleihen.