Wintermärchen

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Wintermärchen - 2018 Filmposter
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„Wintermärchen” erzählt die Geschichte einer dreiköpfigen rechten Terrorzelle, die im Untergrund lebt und von landesweiter Aufmerksamkeit träumt. Verstrickt in eine komplexe Beziehung aus Liebe, Hass und Freundschaft führt ihr Weg der Zerstörung zu einer Reihe von Gewaltverbrechen. Ihre angeblichen Werte wie Ehre, Stolz und Loyalität fallen ihrer zunehmenden Orientierungslosigkeit zum Opfer. Wintermärchen begeisterte als einziger deutscher Beitrag im Internationalen Wettbewerb auf dem Locarno Festival 2018. Ein schockierendes, unter die Haut gehendes Anti-Terrorismus-Drama in freier Anlehnung an das Leben des NSU-Trios Zschäpe, Bönhardt und Mundlos im Untergrund.

Becky (Ricarda Seifried) und Tommi (Thomas Schubert) leben im Untergrund und träumen vom Kampf gegen Ausländer. Doch weder Anschläge klappen, noch der Sex zwischen dem Paar, das offenbar schon länger zusammenlebt und es kaum noch zusammen aushält. Zwar hält sich Tommi für den Anführer, doch Becky lässt keine Gelegenheit aus, ihn spüren zu lassen, für was für ein Weichei sie ihn hält. Die Dynamik ändert sich, als Maik (Jean-Luc Bubert) dazu stößt und aus dem Duo ein Trio wird, das sich schnell in einer toxischen Dreiecksbeziehung wiederfindet. Angesichts des selbstbewussten, virilen Maik, der schnell mit Becky im Bett landet, findet sich Tommi zunehmend in der Rolle des Beobachters wieder, eine Rolle, die ihm, dem latenten Masochisten, durchaus gefällt. Der Versuch, zu verstehen, wie es innerhalb einer so speziellen Struktur wie einer Terrorzelle zugeht, wie sich drei äußerlich ganz durchschnittliche Menschen in einen Rausch steigern, der Tote fordert, ist ein künstlerisch ebenso spannendes wie ambitioniertes Unterfangen. Angenehm anzusehen ist „Wintermärchen“ in keinem Moment, aber in seiner wuchtigen, intensiven Art ein ebenso ungewöhnliches wie herausragendes Stück Deutsches Kino.