Zama

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Zama - 2017 Filmposter

Lange mussten Cienasten auf den neuen Film von Lucrecia Martel warten, die in den Nuller Jahren zu einer der wichtigsten filmischen Stimmen Lateinamerikas wurde. Nun kommt ihr vierter Film ins Kino, schlicht „Zama“ betitelt, eine meditative, bewusst langsame Studie des Verfalls, die zwar in der Kolonialzeit spielt, aber vor allem von universellen Themen wie Isolation, Einsamkeit und Verzweiflung erzählt.

„Morast“, „Die Kopflose Frau“ und „Das heilige Mädchen“ heißen die drei Filme, die die argentinische Regisseurin Lucrecia Martel zwischen 2001 und 2008 gedreht hat, drei außerordentliche, ungewöhnliche Filme, geprägt von einer subjektiven Erzählweise, die stets mehr Wert auf Atmosphäre, auf Stimmungen legte, als auf klassische Narration. Fast zehn Jahre dauerte es nun aus unterschiedlichen Gründen (die schwere Finanzierung lässt sich an den acht Ko-Produktionsländern ablesen, in denen 16 Firmen Teile des Budgets zur Verfügung stellten) bis Martel einen neuen Film beenden konnte, in dem sie sich vordergründig auf neues Terrain begibt, sich aber vor allem konsequent weiterentwickelt.

Zum ersten Mal hat Martel mit „Zama“ einen Film gedreht, der nicht in der Gegenwart spielt. Schauplatz ist eine spanische Kolonie in Lateinamerika, Ende des 18. Jahrhunderts, ein Kaff, kaum mehr als ein paar Hütten und Gebäude, irgendwo am Meer. Hier lebt Don Diego de Zama (Daniel Giménez Cacho), ein niederer Beamter der Kolonialregierung, seit Jahren fern der Heimat, getrennt von Frau und Kindern, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich versetzt zu werden. Doch sein Anliegen stößt auf taube Ohren, immer wieder wird er übergangen, selbst Strafgefangene haben es leichter, den Posten zu verlassen, während Zama zum Warten verdammt ist.

1956 schrieb Antonio di Benedetto den Roman, auf dem Martels Film basiert, die Deutsche Übersetzung heißt kurz „Zama wartet“ was ziemlich genau den Zustand beschreibt, den Martel lange evoziert. Ein Geduldsspiel mag das sein, ein bewussten Gegenstück zu all den Filmen, die viel zu viel erzählen wollen, hektisch von einem Handlungsmoment zum nächsten hetzen. Martel dagegen erzählt von Zuständen, die sie vor allem mit einem ausgefeilten Sounddesign evoziert. Geräusche von Tieren oder dem Wind vermischen sich zunehmend mit einem ominösen Brummen und Rauschen, Dialogfetzen wiederholen sich, so als würde sich Zamas Bewusstseinszustand zunehmend aus der Realität entfernen. Und langsam, ganz langsam kommt schließlich auch doch noch äußere Bewegung in den Film, inszeniert Martel eine Reise ins Herz der Finsternis, die Zama zwar äußerlich mit der Natur, mit den Ureinwohnern konfrontiert, vor allem aber mit seiner Menschlichkeit.