Gemäß den aktuell verhängten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus schließen die Düsseldorfer Filmkunstkinos voraussichtlich bis Ende Dezember ihre Pforten. Weitere Hinweise

Double Feature

Kunst im Kino

Vorführungen

Bambi - großer Saal, © Stephan Machac

Zum Anfang des Jahres wurden der Umbau des Bambi Foyer beendet. Im Rahmen der Umgestaltung wurden zwei künstlerische Arbeiten im Kino installiert. Zur offiziellen Eröffnung des neuen Foyes und zur Einweihung der Installationen veranstaltet das Bambi einen Filmabend mit zwei von den Künstlern ausgewählten Filmen.

Mit den künstlerischen Arbeiten von Claus Föttinger und Stephan Machac, präsentiert das bambi zwei künstlerische Positionen die in einer starken Beziehung zum Kino und Film stehen.
Während Claus Föttinger auf seinen vermeintlichen Wohnzimmereinrichtungen, Couchtisch und Stehlampe, Bilder aus Spielfilmen mit politischen Bildern collagiert, bezieht sich die ortsbezogene Installation von Stephan Machac auf geheime Bilder, die die Magie des Kinos lange Zeit geprägt haben.

Föttingers Arbeit BAR 60-99 ist im Foyer des Kinos als verwendbare Skulpturen installiert. Machacs fotografische Arbeit LABORATORY AIM DENSITY LEADER spiegelt den Film auf der gegenüberliegenden Seite der Leinwand im großen historischen Saal des Kinos.

Claus Fötinger präsentiert Tausendschönchen, einen experimentellen Spielfilm der tschechischen Regisseurin Věra Chytilová. Der Film erzählt von der moralischen Verdorbenheit der Welt, dargestellt in den Handlungen der beiden weiblichen Hauptfiguren Marie 1 und Marie 2. Die anarchistischen Mädchen richten nicht nur ihre Umwelt auf eine höchst unterhaltsame Weise zugrunde, sondern am Ende auch sich selbst.

Stephan Machac präsentiert Cinema Futures von Michael Palm, ein Dokumentarfilm über Gegenwart und Zukunft von Film und Kino in der Ära des Digitalen. In einzelnen Episoden und filmischen Aphorismen werden Zukunftsszenarien, kulturelle Ängste aber auch verheißungsvolle Utopien skizziert, die den epochalen Übergang von der etwa hundertzwanzigjährigen Geschichte des analogen photochemischen Filmstreifens hin zur immateriellen und radikal flüchtigen Zeit digitaler Bild-Datenströme begleiten. Es geht um die Liebe zum Kino, aber ohne Nostalgie.

Double Feature Preis

Normal
12,- EUR
mit Gildepass
10,- EUR
Abgelaufen
Installationen im Bambi

Bar 60/99 – 2000/2019

von Claus Föttinger

Die Bar 60/99 wurde zur Ausstellung „einräumen“ ,2000 in der Kunsthalle Hamburg im Café Liebermann erstmals von Claus Föttinger ausgestellt und konzipiert.
Sie besteht aus 2 großen Barkörpern, 3 großen Hängelampen, 40 Tischplatten, 15 beleuchteten Schaukästen und einem DJ Pult mit Boxen für die eine CD damals erstellt wurde. Sie kann auch heute noch bei Mixcloud angehört werden. Unter usclasrevenge sind sowohl Bar 60/99 anzuhören als auch die spätere Bar CD Nl-Gone von 2013.

Installation: Bar 60/99 2000, Kunsthalle Hamburg

Installation: Bar 60/99, Kunsthalle Hamburg von Claus Föttinger, 2000

Die Arbeit zeichnet  unter der Verwendung von Filmstills und  Politfotos meine Lebensspanne von 1960 bis 1999 nach. Dabei verband ich  wichtige politische Ereignisse und deren Spiegelung durch die Verwendung mir wichtiger Filme, die sich aus  der Weimarer Republik, dem 3. Reich, der DDR, de BRD und der neuen Bonner/Berliner Republik zusammensetzen.

Die Zusammenstellung der Stills / Fotos auf den einzelnen Objekten war für mich je nach Größe so etwas wie ein offener Roman,  verschiedene Erzählungen, Cutups oder im Fall der 40 Tischplatten optische Gedichte/Collagen. Die Musik CD folgt demselben Prinzip mit akustischen Mitteln/ Versatzstücken.

Für die Installation im Bambi wurde eine neue Arbeit hinzugefügt, eine Stehlampe, die quasi in der selben Technik in Miniatur die Jahre 2000-2019 in den Focus nimmt.

Sie können die CD mit Ihren Kopfhören über den Link oben dazu hören.

 


LABORATORY AIM DENSITY LEADER

von Stephan Machac – machac.de

Laboratory AIM Density Leader, von Stephan Machac, 2018

Installation: Laboratory AIM Density Leader, von Stephan Machac, 2018 / Latex pigment print on Blue Back Billboard Paper, 6.13 x 1.65 m

Stephan Machac hat von 2003-2007 Medienkunst an der HfG Karlsruhe / ZKM und ab 2007 Visual Culture Studies an der Universität der Künste Berlin studiert. Sein Studium schloss er 2010 als Meisterschüler von Prof. Katharina Sieverding ab.

Für die Farbbestimmung von 35mm Filmkopien wurden in den Kopierwerken meist Bilder mit Farbtafeln und dem Porträtbild einer Frau verwendet.
Je nach Kopierwerk gibt es unterschiedliche Variationen der Testbilder, die auf die Startbändern der Filmakte belichtet wurden. Die Startbänder werden vor dem koppeln der einzelnen Akte eines Films entfernt. Daher sind die darauf enthaltenen Bilder meist nur den Personen bekannt, die mit der Filmkopie arbeiten, wie den Mitarbeitern der Kopierwerke und den Filmvorführern. Der Begriff „China Girl“ hat sich für das Portrait der Frauen auf diesen Testbildern etabliert.
U.a. Morgan Fisher und Bruce Conner haben das „China Girl“ als Motiv in Ihren Arbeiten verwendet. Tarantino hat die „China Girl“ Motive im Abspann seines Films „Death Proof“ integriert. Das Bild dieser Frauen ist auf mehr Filmkopien belichtet als die meisten Schauspieler und dennoch dem Zuschauer unbekannt geblieben.
Diese Testbildanordnung ist eine Eigenheit der Filmkopie und standardisiert auf keinem anderen Bildträgerformat vorhanden als auf Film.

Mit dem Verschwinden der 35mm Filmkopie durch die Digitalisierung des Kinoapparates, verschwinden auch die „laboratory aim density leader“ genannten Testbilder und damit die „China Girls“.
Die Digitalisierung nimmt den Kinobildern den haptischen Träger und den damit verbundenen Charakter des Materials. Der digitale Film verbirgt keine visuellen Geheimnisse, die für den Zuschauer unsichtbar bleiben. Alles ist sichtbar. Die geheime Arbeit mit dem Bildträgermaterial im nicht zugänglichen Teil des Kinos, verschwindet ebenso wie das Geheimnis, das für den Zauber der Filmvorführung notwendig war.

Die Arbeit LABORATORY AIM DENSITY LEADER installiert das geheime Stück Film in der ihm bestimmten Vergrößerung, dauerhaft auf der gegenüberliegenden Seite der Leinwand und der Außenseite des Bildwerferraums. Eine Referenz an das Geheimnis, das für 50 Jahre für die Existenz des bambi-Kino notwendig war.