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Die 74. Filmfestspiele von Cannes: Ein Vorbericht

Thierry Frémaux war im letzten Jahr einer der letzten, der eingesehen hat, dass ein internationales Filmfestival unter Pandemie-Bedingungen nicht möglich ist. Immer wieder hat er den Termin verschoben und beteuert, dass auf jeden Fall irgendetwas stattfinden würde. Am Ende hat er nur die Filme, die er ausgewählt hat in einer Liste, der Sélection Officielle, veröffentlicht und ihnen  so ein Label verpasst, zeigen konnte er sie aber nie. In diesem Jahr scheint er mehr Glück zu haben, hat er das Festival schon sehr früh von Mitte Mai auf Anfang Juli verschoben und kann offensichtlich diesen Termin auch halten.

The French Dispatch - 2020

The French Dispatch – 2020

So geht nun endlich die 74. Edition der weltweit bedeutendsten Filmschau an den Start und irgendwie erinnert das alles an den gerade erlebten Restart unserer Kinos. Nach langer Pause steht man plötzlich vor einem Wust von Filmen, die in die Kinos bzw. auf das Festival drängen. Filme, wie Wes Andersons THE FRENCH DISPATCH, der bereits im letzten Jahr in Cannes laufen sollten, auf einen Kinostart aber bisher verzichtete, um halt in diesem Jahr dabei zu sein. Zu solch treuen Cannes-Regulares gesellen sich natürlich viele neue Produktionen, die gerade erst fertig geworden sind, so dass Fremaux vor der Qual der Wahl stand und verständlicherweise nichts von reduzierten Saal-Kontingenten, die am Ende zu weniger präsentierbaren Filmen führen, wissen wollte.

Annette - 2021

Annette – 2021

Wie auch immer: Eröffnet wird nun am 6. Juli mit ANNETTE, einem surrealen Musical von Leos Carax, dessen letzter Film HOLY MOTORS vor neun Jahren an der Croisette zu sehen war. Eine der ganz wenigen deutschen Koproduktionen, die von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert wurde und mit Adam Driver und Marion Cotillard in den Hauptrollen recht vielversprechend daher kommt. Auch in Kirill Serebrennikov PETROV’S FLU steckt deutsches Geld. Vor drei Jahren hat er hier mit LETO begeistert, musste sich danach aber der russischen Justiz gegenüber verantworten. Immerhin ging sein Schauprozess recht positiv aus, so dass er Kino und Theater weiterhin bereichern kann.

François Ozons letzter Film SOMMER 85 läuft gerade in unseren Kinos, da steht er schon mit einem neuen Film EVERYTHING WENT FINE vor der Kinotür. Das Fantasy-Drama TITANE von Julia Ducournau verspricht ein Wiedersehen mit Vincent Lindon und Agathe Rousselle, und in Bruno Dumonts FRANCE lässt sich Léa Seydoux als eleganten und begehrten Mittelpunkt der Pariser Medienwelt feiern. Schließlich komplettiert Jacques Audiard mit PARIS, 13TH DISTRICT den wieder einmal ziemlich französisch-lastigen Wettbewerb. 

Benedetta - 2021

Benedetta – 2021

Neben Wes Anderson ist Altmeister Paul Verhoeven mit BENEDETTA und Sean Baker (FLORIDA PROJECT) mit RED ROCKET für Amerika am Start und auch Sean Penn hält mit FLAG DAY die amerikanische Flagge hoch. Dazu kommt THE VELVET UNDERGROUND von Todd Haynes und der großteils in Marseille entstandene Thriller STILLWATER von Oscar-Gewinner Tom McCarthy mit Matt Damon, die beide ‘außer Konkurrenz’ gezeigt werden.

Ansonsten kann man sich freuen auf ein Wiedersehen mit Nanni Moretti, der mit THREE FLOORS schwierigen Familienbanden in einem römischen Apartmenthaus nachgeht. Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi (NADER UND SIMIN) ist mit A HERO dabei und auch Apichatpong Weerasethakul, der 2010 mit UNCLE BOONMEE die Goldene Palme gewann, ist mit MEMORIA dabei, in dem Tilda Swinton für fernöstliches Flair sorgen wird.

Und natürlich sind auch wir wieder dabei und werden in diesem Blog berichten.