
THE DEBUT spielt in den 90er Jahren in New Jersey, wo Mona Friedman (Julianne Moore) ein Leben fristet, wie viele Frauen zu dieser Zeit. Die Kinder sind groß und reden kaum noch mit ihr, und für ihren Ehemann ist sie schon seit Jahren Luft. Beim gemeinsamen Abendessen kann sie sich kein Gehör verschaffen, und überhaupt fühlt sie sich nicht nur nutzlos, sondern auch quasi unsichtbar. Das bringt sie auf die Idee, am lokalen Musical-Theater für eine kleine Gesangsrolle vorzusprechen. Beim Casting trifft sie auf Regisseur Jerry (Paul Giamatti), der reichlich genervt ist von ihrer Frechheit, ohne jegliche Theatererfahrung hier zum Vorsingen zu erscheinen, und genau das lässt er sie auch spüren. Immerhin hat er für diesen Part einen Musical-Star an der Angel. Als der jedoch absagt, weil ihr die Rolle zu klein ist, gibt es nur noch Plan B, und Jerry muss Mona anrufen.
Was nun folgt, ist die Geburt einer Schauspielerin. Für uns dauert sie einen Film lang, für den Film so lange, wie die Proben andauern. Zunächst muss Jerry aus der schüchternen Hausfrau eine Schauspielerin machen, die auf der Bühne aus sich rausgeht, sich lautstark bemerkbar macht und das Publikum mitreißt. Immerhin wundert sich Jerry, dass ihm das gelingt und Mona auf der Bühne nicht nur Selbstbewusstsein, sondern auch ein starkes Ego entwickelt. Dabei schießt sie auch schon gerne mal über das Ziel hinaus und muss von Jerry wieder eingefangen werden. Je mehr sich Mona mit ihrer Rolle identifiziert und versucht, ihr gerecht zu werden, mäkelt sie am Drehbuch herum und gibt sich nicht damit zufrieden, den Text zu sprechen, den sie gelernt hat. Doch auch Jerry lernt dazu, wundert sich über Monas Wandlungsfähigkeit und gibt zu, dass er selbst gern diese Courage gehabt hätte, als ihm aus Altersgründen immer weniger und immer schlechtere Rollen angeboten wurden.

Auf der Pressekonferenz lobte Julianne Moore Jesse Eisenberg für das brillante Drehbuch, ja bezeichnete ihn sogar als den derzeit besten Drehbuchschreiber in den USA. Ihr Charakter sei sehr subjektiv beschrieben und genau solche Rollen spiele sie am liebsten: “Die Leute meinen immer, das solche Texte gar nicht geschrieben werden können, sondern dass das letztlich beim Drehen passiert. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Wir haben uns einfach nur an unseren Text gehalten. Keiner der beteiligten Schauspieler hat am Skript etwas ändern wollen.”
Julianne Moore gab auch ausführlich Antwort zu ihrer Herangehensweise an eine Rolle. „Die eigentliche künstlerische Arbeit liegt darin, seine Figur zum Leben zu erwecken. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass sich der eigene Charakter und der der Figur begegnen. Dann gilt es, die eigenen Emotionen auf die Figur zu übertragen.” Bei einem guten Drehbuch mache das viel Spaß, bei einem schlechteren sei es Arbeit. “Für mich war es eine tolle Charakter-Reise, die Jesse mir da geschenkt hat und der Film ist auch ein Tribut an weibliche Stars wie Liza Minelli und viele weitere großartige Musical-Sängerinnen.“

Jesse Eisenberg gab zu, dass der Film eine autobiographische Note hat. „Ich bin in den 1990er-Jahren in New Jersey aufgewachsen und hatte nicht viele Freunde. Aber bei uns gab es auch ein solches kommunales Theater, wo ich mich einer Laienspielgruppe anschloss. Diese Welt war für mich Zuflucht und Flucht zugleich und so wurde sie zu meinem Rettungsanker: Sie verhieß mir etwas Besseres, etwas, das über mich selbst hinausging. In meiner Kindheit und Jugend schenkte mir das Theater ein Gefühl der Zugehörigkeit.“
Einen Großteil der Musik hat Eisenberg selbst komponiert und die Rolle Julianne Moore auf den Leib geschrieben. Er hatte bereits vor vier Jahren mit ihr zusammengearbeitet und dabei ihr musikalisches Talent entdeckt, auf das er mit diesem Film zurückkommen wollte.
Angesprochen auf seine Erfahrungen mit Woody Allen, für den er in TO ROME WITH LOVE vor der Kamera stand und die komische Note seines Films, wich Eisenberg aus. Er erzählte, dass in den USA immer weniger Komödien gedreht würden, weshalb in seinem Film die Komik nicht zu kurz kommen sollte. Auch politisch war nicht viel aus ihm herauszukriegen. Was er zu den Midterm-Wahlen zu sagen habe, könne jeder in seinem Film sehen. In der Beziehung waren die beiden anders drauf als ein paar Tage zuvor Susan Sarandon, die kein Blatt vor den Mund nahm.
Mit Julianne Moores Bemerkung, dass das Schöne am Film sei, dass man im Kino oft sein eigenes Schicksal wiederfindet und merkt, dass man damit nicht allein sei, war sie dann ganz nah an den Worten Susan Sarandons. Und auf die Frage, ob man nicht auch zu alt sein kann, um sein Leben zu ändern, antwortete sie auffordernd : “Es gibt kein zu früh und kein zu spät!” // Kalle Somnitz