Am 17. Oktober hatten wir auf dem Filmfest in Rom die Gelegenheit, an einer Masterclass mit dem irischen Schauspieler Barry Keoghan teilzunehmen. In THE BANSHEES OF INISHERIN machte er erstmals auf sich aufmerksam, mit SALTBURN wurde er zum Star. In Rom stellte er seinen neuen Film BUTTERFLY JAM im Rahmen seiner von „Alice nella città“ organisierten Masterclass ganz offen von sich – vom ersten Vorsprechen, das er dank eines Telefonanrufs bekam, über seine Vaterschaft bis hin zu seinem Moment der Verletzlichkeit nach SALTBURN.

Erinnerungsfoto an einen schönen Abend: Barry Keoghan machte nach seiner Masterclass ein Selfie mit dem ausverkauften Saal im Hintergrund, Foto: Anne Wotschke.
Ein altes Nokia, ein Telefonanruf und ein junger Mann, der nichts als den Wunsch hatte, Schauspieler zu werden: Das sind die Anfänge der Karriere von Barry Keoghan, wie der Schauspieler bei der Masterclass verriet.
„Ich habe angerufen und mich vorgestellt: Ich war ein junger Mann mit dem großen Wunsch, Schauspieler zu werden. Nach meinem ersten Job verspürte ich eine tiefe Liebe für das, was ich tat – ein Gefühl, das bis heute anhält. Ich werde niemals in Rente gehen.“ Vor einem vollbesetzten Saal mit jungen Leuten erzählte der Schauspieler, dass er sich stets dafür entschieden habe, die Initiative zu ergreifen, anstatt darauf zu warten, dass sich Gelegenheiten von selbst ergäben: „Anstatt auf ein Vorsprechen zu warten, habe ich es mir selbst geschaffen: Es ist mir gelungen, dem Filmemacher, mit dem ich zusammenarbeiten wollte, ein Self-Tape zukommen zu lassen. Ich habe den ersten Schritt gemacht, bin dem entgegengegangen, wonach ich strebte.“

Mit sichtlichem Vergnügen posierte er auch mit seinen Fans nach der Veranstaltung auf der Bühne, Foto: Anne Wotschke.
In BUTTERFLY JAM, der im internationalen Wettbewerb mit seinem Co-Star Talha Akdogan präsentiert wurde, spielt er einen Vater – eine Rolle, die ihn persönlich sehr berührt: „ Auch ich bin ein junger Vater und habe mich gefragt, wie man das gut macht, aber dafür gibt es kein Handbuch. Wichtig ist, dass Verbundenheit und aufrichtige Liebe da sind: Dann ergibt sich alles ganz von selbst. Dass ich als Kind keinen Vater hatte, hat das Ganze jedoch erschwert.“ In Keoghans Kindheit, die von Pflegefamilien geprägt war, waren es die Sozialarbeiter, die diese Lücke füllten: „Sie waren für mich eine elterliche Bezugsperson, als diese fehlte. Die Kinder und Familien leiden, aber auch die Betreuer leiden, die diese Situationen miterleben müssen.“ Auch aus diesem Grund hat er beschlossen, einen Film zu diesem Thema zu produzieren.
Keoghan sprach dann auch offen über den Erfolg von SALTBURN, der „gerade kam, als ich aus der Entzugsklinik entlassen wurde, in einer Zeit, in der ich besonders verletzlich und sensibel war“. Heute, so erzählt er, versuche er, die Dinge „reifer“ anzugehen, auch mithilfe der Therapie: „Wenn man seine Kunst veröffentlicht, gehört sie einem nicht mehr: Die Erwartungen kommen auf mich zu und beeinflussen mich, aber ich versuche immer, mich meinen Figuren aufrichtig zu nähern.“
Fabia Bettini, künstlerische Leiterin von „Alice nella città“, erklärt: „Wir glauben, dass Barry all das verkörpert, woran wir als Festival glauben: Talent, junge Menschen, eine ganzheitliche Vorstellung von Schauspielkunst, eine ganz besondere Art, Figuren zu interpretieren. ‚Butterfly Jam‘ hat uns sehr beeindruckt.“ Der Film kommt am 26. November mit Europictures in die italienischen Kinos.