Im Paris der Gegenwart schließt sich die junge Tänzerin Anastasia dem renommierten Théâtre de l’Opéra an. Während der Proben zu „Orpheus“, einem verfluchten Werk, das angeblich vom Phantom der Oper selbst komponiert wurde, verliebt sie sich in einen geheimnisvollen Pianisten. Als die Premiere näher rückt, findet sich Anastasia inmitten unerklärlicher Unfälle und beunruhigender Enthüllungen in einer unmöglichen Liebesgeschichte wieder, die sich an der Grenze zwischen Realität und Fantasie bewegt.

Alexandre Castagnetti mit seinen Hauptdarstellerinnen Deva Cassel (l.) und Laïka Blanc-Francard, Foto: Anne Wotschke.
Regisseur Alexandre Castagnetti hat diesen Film seinem Vater gewidmet. Der war Opernsänger, und Castagnetti ist in diesem Milieu aufgewachsen. Sein Film ist kein Remake des alten Stoffes, sondern er erzählt eine neue Geschichte, mit neuer Musik, neuen Dekors und neuer Choreographie. Die Geschichte beginnt mit dem Fund einer Partitur von ORPHEUS, angeblich geschrieben vom Phantom der Oper selbst, ein Komponist namens Ernest Dupré. Er soll hier in den Kellern im 18. Jahrhundert gelebt haben, sein Werk wurde nie aufgeführt. Inzwischen ist die Musik rekonstruiert und der ehrgeizige künstlerische Leiter der Pariser Oper James Figueras will den alten Stoff erstmals inszenieren. Dazu wird die Oper auch von vielen jungen Tänzerinnen bevölkert, die sich einen erbitterten Kampf um die ‘leading parts’ liefern. Einen deutlichen Vorteil hat die aus Rumänien angereiste Anastasia, schüchtern und unscheinbar, wird sie vom Regisseur zunächst übersehen. Auf fantastische Weise ist sie aber die einzige, die eine emotionale Verbindung mit dem Phantom aufbauen kann, das hier immer noch durch das Gebäude geistert und ihr unbezahlbare Vorteile verschafft.

Ein Selfie mit Debra Cassel, der Hauptdarstellerin in Alexandre Castagnettis PHANTOM DER OPER – das wollten viele nach der Pressekonferenz auf dem Filmfest Rom, Foto: Anne Wotschke
Die Kombination vom PHANTOM DER OPER mit der griechischen Sage ORPHEUS UND EURYDIKE ist schon ein Clou, aber Regisseur Castagnetti scheut sich nicht, seine Geschichte mit vielen Filmzitaten aufzuhübschen. Die unmögliche Liebesgeschichte erinnert an TWILIGHT oder DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, die künstlerischen Höchstleistungen, die der Regisseur den Künstlerinnen abverlangt an WHIPLASH, der Konkurrenzkampf der Tänzerinnen untereinander an BLACK SWAN und gelegentlich lässt Benicio del Toro (THE SHAPE OF WATER) aus dem nassen Kellergewölbe grüßen.
“Der Film ist eine Mischung aus unmöglicher Liebe, Geheimnis, Musik und Tanz, in der Träume und Fantasie mit der Realität verschmelzen. Das Palais Garnier wird dabei selbst zu einer Figur – ein zeitloser Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen,” erklärte der Regisseur auf dem Filmfest Rom und verwies darauf, dass er am Originalschauplatz drehen durfte. “Das Opernhaus ist wirklich ein phantastisches Gebäude und strahlt eine gewisse Mystik aus, die ich einfangen wollte. Alles, was sie sehen ist echt, die Architektur, die Gemälde, die Dekors, nur den See im Keller haben wir nicht gefunden!”
Das beschreibt den Film ganz gut, der eine neue Geschichte erzählen, aber auch Altes bewahren will und stets darauf aus ist, dem Zuschauer Einzigartiges zu bieten. Das erscheint manchmal ein wenig zu viel des Guten, ist aber dennoch großartiges Ausstattungskino, in dem sich köstlich schwelgen lässt. //Kalle Somnitz