Filmfest Venedig 2026 – Ein Vorbericht von Kalle Somnitz

Festivalplakat Biennale Cinema 2026

Was Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle Anfang des Jahres noch mit einer unglücklichen Terminlage erklärte, zeichnete sich in Cannes dann besonders deutlich ab: Das Fehlen großer Studioproduktionen. In Berlin betraf das Filme wie THE BRIDE!, THE DRAMA oder THE ASTRONAUT, in Cannes waren dann DISCLOSURE DAY, DIGGER und sogar Christopher Nolans THE ODYSSEY nicht am Start. Filme, die die Festivals gerne gehabt hätten, doch den Studios war angeblich der glamouröse Auftritt auf dem roten Teppich zu teuer. Daher blicken alle nach Venedig, wo man in den letzten Jahren die Oscar-Saison eröffnete, indem man immer viele Filme im Programm hatte, die dann tatsächlich im Februar bei der Oscar-Verleihung eine Rolle spielten.
Aber auch an Venedig scheint die Abstinenz der großen Studios nicht vorbeizugehen. So fehlen DIGGER von Alejandro G. Iñárritu, der mit 21 GRAMS (2003), BIRDMAN (2014) und BARDO (2022) in Venedig war, DUNE – Teil 3 soll noch nicht fertig sein und selbst Landsmann Luca Guadagnino konnte man mit seinem neuen Film ARTIFICIAL nicht an den Lido holen.

Doch ein paar Ausnahmen gibt es. So hält Martin McDonagh (IN BRÜGGE SEHEN UND STERBEN, BANSHEES OF THE INISHERIN) dem Festival die Treue und zeigt seinen neuen Film WILD HORSE NINE. Sam Rockwell und John Malkovich spielen hier zwei CIA-Agenten, die kurz vor dem Sturz Allendes (1973) auf die Osterinseln geschickt werden, wo sie mehr damit beschäftigt sind, ihre Identitätskrisen und Paranoia zu bewältigen als ihre Mission zu erfüllen.

Danny Boyles INK wird das Festival eröffnen und Jack O’Connell, Guy Pearce und Claire Foy auf den Roten Teppich führen. Sie werden uns von der angeschlagenen britischen Boulevardzeitung ‘The Sun’ erzählen, als sie Ende der 1960er Jahre von Rupert Murdoch übernommen und mithilfe des skrupellosen Redakteurs Larry Lamb wieder auf Vordermann gebracht wurde.

Und auch PRIMETIME erscheint vielversprechend. In der A 24 Produktion unter Regie von Lance Oppenheim spielt Robert Pattinson einen Investigativjournalisten, der in den 2000er Jahren mit einem spektakulären TV-Reality-Format Kriminelle überführt – bis es zur Katastrophe kommt.

Und auch Werner Herzog hat die Gunst der Stunde genutzt. Sein Film BUCKING FASTARD war schon für Cannes im Gespräch, doch als er dort nicht im Wettbewerb starten konnte, zog er ihn zurück und gab Venedig den Zuschlag.

Aus Europa kommt Theaterregisseur Florian Zeller, Spezialist für Kammerspiele wie THE FATHER, und präsentiert BUNKER, in dem er Javier Bardem und Penélope Cruz mal wieder gemeinsam auf die Leinwand bringt. Wie im echten Leben spielen sie ein Ehepaar. Als er den Auftrag bekommt, einen Überlebensbunker für einen Tech- Milliardär zu bauen, beginnt sie ihre 17-jährige Ehe in Frage zu stellen.

Aus Deutschland eröffnet die Komplizen-Koproduktion DAS MÄDCHEN MIT DER LEICA die Nebenreihe Orizzonti und Wim Wenders Doku FROM INSIDE OUT über den Architekten Peter Zumthor wird in der Sektion ‘Venice Open’ zu sehen sein.

Langweilig wird es einem in Venedig wohl nicht werden, aber das Fehlen der großen Studios könnte an den Festen des Festivals rütteln und seine internationale Bedeutung schmälern. Hoffen wir, dass das in diesem Jahr nur eine Laune der Studios war, wie etwa zu Corona-Zeiten, wo sie das Kino tot sagten und auf die Streaming-Portale setzten. Ein Irrweg, wie sich bald herausstellen sollte.
Unseren ausführlichen Festivalbericht finden Sie Ende September im Blog unter www.filmkunstkinos.de