
Auf der Pressekonferenz in Rom erzählte Fatih Akin die Entstehungsgeschte seines neuen Films GEISTER: Damals war er in einer Krise. Er arbeitete an einem neuen Film und kam einfach nicht weiter. Er steckte in einem Loch, aus dem er einfach nicht herauskam. Ein befreundeter Kollege riet ihm, den Stoff fallen zu lassen und einfach etwas Neues anzufangen. So was hatte er noch nie gemacht, doch je mehr er feststeckte, desto öfter dachte er an diese Option. Doch was sollte das für ein neuer Stoff sein? Sein Sohn schlug eine Geschichte über zwei Freunde, von denen einer ein Geist ist, vor. Ein Kinderfilm, oder eher ein Manga? Fatih schlug den Stoff seiner langjährigen Freundin und Drehbuchautorin Ruth Thoma vor, und sie schrieb das Drehbuch zu GEISTER.
Zuerst sollte der Film sehr farbenfroh werden, so wie Animes meistens sehr bunt sind. Er wusste nicht, ob er das in einem Realfilm verwirklichen könnte und beim Grading gefiel ihm die Farbgebung gar nicht mehr. Sie experimentierten herum, bis sie die Farbe ganz rausdrehten und der Film plötzlich seine Stimmung änderte: Er mutierte vom modernen Realfilm zu einem existenzialistischen Filmkunstfilm. Den Produzenten gefiel das nicht so gut, aber Fatih verliebte sich in diese Fassung.
GEISTER ist beeinflusst von Hitchcocks VERTIGO. Auch dort verliebt sich jemand in einen Toten. VERTIGO spielt in San Francisco, dem in Deutschland Hamburg am nächsten kommt. Fatih hat zum ersten Mal mit dem Kameramann Frank Griebe zusammengearbeitet, der alle Tom Tykwer-Filme gedreht hat. Griebe ist sehr auf Locations fixiert, kommt vom Dokumentarfilm und ist beeinflusst von Fassbinder und Cassavetes, was man dem Film anmerkt.
Das Traumthema war Fatih sehr vertraut. Er führt schon seit vielen Jahren ein Traum-Tagebuch, in dem er seine Träume niederschreibt und manchmal verwendet er sie auch in seinen Filmen. Diesmal hat er keinen bestimmten Traum verarbeitet, sondern die Tatsache, dass alles Geträumte gleichzeitig passiert. Während das Gehirn zwischen Vergangenheit und Gegenwart trennt, tun das Träume nicht, und diesen Status wollte er auch in seinem Film erreichen: “Dann ist es so wie in Charlie Chaplins CITY LIGHTS. Die Idee zu diesem Film ist bald 100 Jahre alt, erreicht uns aber noch heute. Seit 100 Jahren reist seine Idee durch Raum und Zeit, und solange es Kinos gibt, ist sie unsterblich.”
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