Pressekonferenz zu „Minotaurus“ mit Andrey Zvyagintsev auf dem Filmfest Rom 2026

Regisseur Andrey Zvyagintsev bei der Pressekonferenz zu Minotaurus in Rom 2026, Foto: AW.

Der Auftritt des russischen Regisseurs Andrey Zvyagintsev erinnerte ein wenig an den von 2014 in Berlin, als er im Rahmen des Festivals ‘Around the World in 14 Films’ seinen Film LEVIATHAN vorstellte. Schon damals kritisierte er den Werteverfall und die Korruption in der russischen Gesellschaft. Im anschließenden Künstlergespräch mit Ulrich Matthes gab sich Zvyagintsev aber reichlich zugeknöpft. Dass sein Film eine harsche Kritik an der russischen Politik sei, wollte er zumindest auf der Bühne nicht zugeben. Auf die Frage, ob er bei den Dreharbeiten behindert wurde, antwortete er: „Ganz im Gegenteil, der Film ist von der russischen Filmförderung sogar gefördert worden.“ Wenige Wochen später musste er die Förderung zurückzahlen.

Im Sommer 2021 erkrankte er schwer an COVID-19 und verbrachte aufgrund akuter Lebensgefahr und anschließender Rehabilitation fast ein Jahr in einer Spezialklinik in Hannover. Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine entschied er sich gegen eine Rückkehr nach Russland und zog nach Frankreich, wo er auch seinen jüngsten Spielfilm MINOTAURUS realisierte. Es ist ein Remake von Claude Chabrols DIE UNTREUE FRAU. “Die Idee dazu hatte ich bereits 2018, aber zum Glück konnten wir damals die Rechte nicht bezahlen, es wäre ein ganz anderer Film geworden.” konstatierte er in Rom. “Chabrol hat sich auf die Dreiecksbeziehung konzentriert. 2022 habe ich das Drehbuch umgeschrieben und angesichts der Ereignisse in Russland den Arbeitsalltag einfließen lassen. Ich wollte der Welt die Augen dafür öffnen, was gerade in Russland vor sich geht.”

Auf die Frage, ob sein Protagonist Gleb ein Monster ist oder vom System zu einem gemacht wird, antwortete er, dass sich die Frage für ihn so nicht stellt. “Gleb hat die freie Wahl und trifft eine Entscheidung.” Hier wird klar, warum er in seinen Filmen immer die russische Gesellschaft angreift, nie aber das System. Putin kommt in seinen Filmen nicht einmal vor, die beschränken sich auf die Mitläufer, die das System nicht bekämpfen, sondern sich mit ihm arrangieren und versuchen, einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen.

In Rom gab er seinem Heimweh Ausdruck und dass er lieber in Russland leben würde, als in Frankreich. Aber genau wie sein Protagonist Gleb hat er die freie Wahl und er hat sich für Frankreich entschieden, weil er sich nicht daran beteiligen möchte, die Geschichte zu verfälschen.

zu unserer Filmbesprechung von MINOTAURUS geht es hier.