Allegro Pastell
Deutschland | 2026 | FSK 12
Berlinale 2026 (Panorama)

Die Verlockung ungeahnter Möglichkeiten weht uns entgegen in Anna Rollers gelungener Verfilmung von Leif Randts gleichnamigem Roman. Ebenso spürbar ist die in diesem Freiheitsversprechen wurzelnde Überforderung einer ganzen Generation. Nachdenklich erzählt ALLEGRO PASTELL die tragische Geschichte einer eigentlich idealen Liebe, die an der Unzulänglichkeit der zwei Liebenden scheitert. Für nicht wenige Millennials dürfte sich der Film anfühlen wie ein hundertminütiger Blick in den Spiegel.
Eigentlich beginnt alles in bilderbuchähnlicher Perfektion: 2018 begegnet Webdesigner Jerome (Jannis Niewöhner) der Schriftstellerin Tanja (Sylvaine Faligant) bei einer ihrer Lesungen. Sie lebt in Berlin, er irgendwo bei Frankfurt. Die zwei Mittdreißiger verlieben sich und rutschen trotz der räumlichen Distanz in eine Beziehung, die sich im weiteren Verlauf zu großen Teilen auf der Metaebene vollzieht. Über WhatsApp bleiben sie sich nah. Als Jerome Tanja zum 34. Geburtstag ein wohldurchdachtes Geschenk macht, bekommt Tanja plötzlich kalte Füße.
Schon der Roman traf damals einen Nerv und Ähnliches dürfte auch der Film vollbringen. Regisseurin Anna Roller gelingt ein kongenialer Medientransfer in passend pastellfarbene, melancholische Filmbilder. Die Figuren, wankend zwischen Wollen und Nichtwollen sowie stets in die eigene Nabelschau versunken, möchte man oft gerne schütteln. Es liegt viel unangenehme Wahrheit in ihrem vagen Misstrauen gegen ihr eigentlich sorgloses Glück, aus dem sie autodestruktive Entscheidungen ableiten. „Allegro Pastell“ verbirgt hinter seiner trügerischen Leichtigkeit so manche Untiefe.


