Annette

Eröffnungsfilm Cannes 2021

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Annette - 2021 poster
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Schon 2020 als Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes geplant, erblickte Leos Carax' mit Spannung erwartetes Musical ANNETTE nach der pandemiebedingten Absage des Festivals nun in diesem Jahr endlich das Licht der Welt. Mit Erfolg - der eigenwillige Regisseur konnte den Preis für die Beste Regie erringen. Verhandelt werden große Gefühle wie Liebe, Tod und Eifersucht, versetzt mit "Me too"-Anspielungen und Mediensatire.

Im Mittelpunkt steht das Promi-Paar Henry und Ann (Adam Driver und Marion Cotillard). Er ist ein für seine provokante Art berühmter Comedian, sie eine gefeierte Opernsängerin. Das Eheglück – eng beäugt von der Klatschpresse – scheint perfekt, als die beiden ein Kind bekommen. Dass die kleine Annette eine Gliederpuppe aus Holz ist, scheint niemanden zu stören. Doch die Ehe bekommt Risse. Henrys Ansehen sinkt, als er öffentlich wegen Gewalttätigkeit gegenüber Frauen angegriffen wird. Seine Frau feiert hingegen rauschende Erfolge und wird immer berühmter  Eifersucht macht sich breit. Die Tatsache, dass Anns Orchester-Dirigent , gespielt von The Big-Bang-Theory-Star Simon Helberg, in Ann verliebt ist, macht die Sache nicht besser.  Bald gerät die Ehe ins Trudeln, eine Auseinandersetzung der Eheleute bei einem Ausflug auf ihrer Yacht endet mit dem Tod der Opern-Diva, an dem Henry nicht ganz unschuldig ist.

Fortan geistert Ann als Untote durchs Geschehen, während Henry die Karriere seiner mit einem überirdischen Gesangstalent gesegneten Tochter vorantreibt. Es bleibt nicht bei einer Leiche, Henry landet im Knast, doch Annette verwandelt sich in ein richtiges Kind, wird zur selbstbestimmten Person, die die Fäden in der eigenen Hand halten will.

Das alles bleibt bewusst rätselhaft, ist verstörend, aber auch betörend wegen der teils surreale Bilder voller Schönheit. 

Und auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Gleich in der ersten Szene zum Beispiel sitzen die Hauptbeteiligten im Tonstudio und brechen dann nacheinander auf zum Spielort der ersten Szene mit dem schmissigen Song “So may we start”, allen voran die Sparks Brothers, die nicht nur für die Musik, sondern auch das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Für die Glam-Rock-Art-Band erfüllte sich damit ein jahrelang gehegter Traum. Nach zwei gescheiterten Filmprojekten mit Jacques Tati und Tim Burton konnten die beiden Film-Fans endlich eines ihrer Projekte, ursprünglich als Konzeptalbum geplant, auf die große Leinwand bringen.

Die Sparks gehören zweifelsohne zu den unterschätzten Künstlern der letzten Dekaden. 25 Alben haben sie in ihrer bald fünfzigjährigen Karriere hervorgebracht, mal mehr, mal weniger erfolgreich, immer aber innovativ. Regisseur Edgar Wright hat ihnen übrigens kürzlich die wunderbare Musik-Doku THE SPARKS BROTHERS gewidmet. ANNETTE ist eine wunderbare Gelegenheit, das Duo wiederzuentdecken. Alle Darsteller singen ihren Part übrigens selbst, einzig die Arie von Marion Cotillard musste “gedoubelt” werden. Mit seinem ersten englischsprachigen Film hat Leos Carax ein ungewöhnliches, sehr eigenwilliges Werk vorgelegt, in dem vor allem Hauptdarsteller Adam Driver wieder einmal seine Vielseitigkeit beweisen kann.

 

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