VorschauSTART | 21.11.2019

Bernadette

Infos Vorführungen

Bernadette - 2019 Filmposter
Vorführungen
Bambi
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  • Mi20.11.
  • Do21.11.
  • Fr22.11.
  • Sa23.11.
  • So24.11.
  • Mo25.11.
  • Di26.11.
  • Mi27.11.
  • Do28.11.
  • Fr29.11.
  • Sa30.11.
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Informationen

Schon mit Erfolgen wie „Boyhood“ oder der „Before“-Trilogie hat Richard Linklater gezeigt, dass sich psychologischer Scharfsinn und große Unterhaltung mit Leichtigkeit verbinden lassen. In seiner Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Maria Semple gelingt es ihm, Cate Blanchett eine Rolle auf den Leib zu schneidern, wie es Wes Anderson kaum besser gekonnt hätte. Und auch visuell ist „Bernadette“ ein großer Spaß für alle, die sich für Design und Architektur begeistern - und manchmal fragen, wie sich kreativer Eigensinn und Familienleben miteinander vereinbaren lassen.

Die junge Bee (Emma Nelson) steht kurz vor dem Schulabschluss und konfrontiert ihre beiden Eltern mit einer leichtfertig gemachten Zusage: Wenn alles gut laufe, dürfe sie sich nach der Zeugnisvergabe etwas wünschen. Und da die Familie Fox in keiner Hinsicht gewöhnlich lebt, geht es nicht um ein Auto oder ein neues Smartphone – Bee möchte in die Antarktis reisen. Und ihre Eltern Bernadette (Cate Blanchett) und Elgie (Billy Crudup) sollen sie dabei begleiten. Eigentlich eine schöne Idee, wenn es nicht einige Neurosen gäbe, die ihre Mutter davon abhalten würden, sich überhaupt aus dem Haus zu wagen. Schon alltägliche Notwendigkeiten lösen bei Bernadette  Stress aus, deswegen diktiert sie am liebsten alles über Siri an eine unbekannte Assistentin, die dann im Internet ihre Besorgungen erledigt. Mit realen Menschen gerät die stets faszinierend gekleidete Hausfrau zunehmend aneinander. Bei den biederen Nachbarinnen ist das noch verständlich, aber auch ihr Mann Elgie leidet seit längerer Zeit an den Zurückweisungen, die eine tiefe Frustration spürbar werden lassen. Bernadette schläft kaum noch, hat aber Angst vor der ihr nahegelegten Therapie, weil sie nicht nur Pillen verschrieben bekommen möchte. Sie hat ohnehin schon genug Angst davor, sich selbst zu verlieren – oder hat sie das vielleicht schon längst? Bee, die ihre Mutter über alles liebt, fängt an zu recherchieren, und stellt fest, dass Bernadette vor ihrer Geburt eine begnadete Architektin war, eine der wenigen Frauen, die es geschafft haben, etwas völlig Eigenes auf diesem Gebiet zu erschaffen.

„Wo ist du hin, Bernadette“ ist der Originaltitel des Romans, und die Geschichte greift diese Frage zweifach auf: Einmal sehr humorvoll, denn nach einer konfrontativen Familienintervention verschwindet Bernadette tatsächlich spurlos von einem Toilettengang. Und dann etwas ernsthafter und nachdenklicher auf psychoanalytischer Ebene. Es geht um Konflikte, die Frauen auf ihrem meist schwierigen Weg der Selbstverwirklichung betreffen – und damit natürlich auch ihre Männer und ihre Kinder. Bee hat seit der Geburt eine Beeinträchtigung, die ihre Lebenserwartung den Ärzten zufolge drastisch verringert. Und nach mehreren Fehlgeburten fürchtet Bernadette so sehr um sie, dass sie keinen Raum mehr für ihr eigenes Leben findet. Elgie dagegen schafft es ohne Probleme seine Karriere bei einem großen Tech-Konzern zu verfolgen und die Arbeitszeiten immer weiter ins Privatleben auszudehnen.

Linklater gelingt eine überaus charmante Komödie mit Tiefgang, die Geschlechterdifferenzen aufzeigt, ohne sie zu einem verbitterten Grabenkampf zu machen. Bernadette ist als Künstlerin vielleicht in besonderer Weise darauf angewiesen, ihrem Eigensinn Ausdruck zu verleihen, aber der Wunsch danach ist in jedem Menschen angelegt. Die Pointe des Films liegt vielmehr darin, auch das Familienleben als eine schöpferische Aufgabe zu betrachten, anstatt normierten Rollenbildern zu folgen, in denen wir mit unserem Bedürfnis nach Entfaltung einfach verschwinden.