Britt-Marie war hier

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Britt-Marie war hier - 2019 Filmposter
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40 Jahre dasselbe Leben, dieselbe Routine, dieselben Listen, die man Tag für Tag abarbeitet. Eintönig, aber irgendwie auch heimelig - zumindest für Britt-Marie, deren Leben sich erst ändert, als ihr Mann Kent einen Herzinfarkt hat und herauskommt, dass er sie betrügt. Sie verlässt ihn, sucht sich einen Job, für den sie nicht qualifiziert ist und fängt ein neues Leben an, weil es nie zu spät ist, alten Ballast über Bord zu werfen und sich neue Perspektiven zu erarbeiten. Die Verfilmung des Romans von Fredrick Backman („Ein Mann namens Ove“) ist eine gelungene Mixtur aus Drama und Komödie, und mit Pernilla August wundervoll besetzt.

Von Fußball versteht Britt-Marie nichts. Nur, dass ihr Mann Kent immer eifrig im Fernsehen Fußball gesehen hat. Damals, als es schien, dass das 40-jährige Zusammenleben auch weitergehen würde, dass sie einander bis zum Tod begleiten würden. Aber dann hatte er einen Herzinfarkt und sie fand heraus, dass ihr Mann sie schon seit geraumer Zeit betrog. Britt-Marie hätte sich damit vielleicht arrangieren können, aber sie wollte es nicht. Sie verlässt Kent und sucht im Alter von 63 Jahren Arbeit. Die findet sie auch – und zwar als Fußballtrainerin einiger Kids in dem kleinen Örtchen Borg. Natürlich hat Britt-Marie keine Ahnung, was sie überhaupt macht. Aber wie bei allem in ihrem Leben stellt sie sich auch dieser neuen Aufgabe mit Hingabe.

„Ein Mann namens Ove“ war in Schweden ein sensationeller Erfolg und lockte 1,7 Millionen Zuschauer ins Kino. Auch im restlichen Europa kam die schwarzhumorige Komödie mit dem Drama-Einschlag sehr gut an. Kein Wunder also, dass Fredrick Backmans zweiter Roman auch schnell verkauft wurde, verfügt er doch über ähnliche Qualitäten, da er von jemandem erzählt, der am Ende seines Lebenswegs zu sein scheint, aber einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Und dennoch ist es ein gänzlich anderer Film, weniger böse in seinem Humor, versöhnlicher, freundlicher. „Britt-Marie war hier“ ist ein ruhiger Film, passend zu dem kleinen Örtchen, in dem er spielt. Dieses wird von einer Vielzahl interessanter, dreidimensionaler Figuren bewohnt, die im Wechselspiel mit der Protagonistin allesamt ihre kleinen Macken und Eigenheiten offenbaren. All das macht das Figuren-Ensemble und damit auch die Geschichte sehr authentisch, und das umso mehr, da es um sehr reale Ängste und Probleme geht. Denn in im Kern geht es um das Älterwerden und die damit einhergehende Angst, allein zu sein. Weil man keine Möglichkeiten mehr hat oder schlichtweg der Mut fehlt, sich in diesem Alter noch einmal selbst zu erfinden. Aber der Film zeigt auf angenehme und sympathische Art und Weise, dass es nie zu spät ist, das Ruder noch einmal herumzureißen. Man muss sich nicht mit einem Leben arrangieren, in dem Trott und Gewohnheit die einzigen Begleiter sind. Es ist möglich, auch in späten Jahren noch etwas herauszuholen, sich zu verwirklichen, neu zu erfinden, kurz: dorthin zu gehen, wo man schon immer mal sein wollte. Das geht auch, wenn man 40 Jahre lang ein Leben um jemand anderen herum aufgebaut hat, wenn alle Entscheidungen, die man getroffen hat, eigentlich die eines anderen waren, weil der Moment, an dem man wirklich zu leben beginnt, nicht von Alter oder Umständen beeinflusst sein muss, sondern selbstbestimmt ist. All das und noch viel mehr findet man in „Britt-Marie war hier“, einem der charmantesten Filme der letzten Jahre, der eigentlich von einem ganz normalen, kleinen Leben erzählt, aber so viel mehr zu bieten hat.