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VorschauSTART | 28.10.2021

Contra

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Contra - 2020 poster
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Naima hat es geschafft. Sie ist an der Uni in Jura eingeschrieben und will sich endlich ihren großen Traum erfüllen und Anwältin zu werden. Doch schon am ersten Tag läuft alles schief. Naima kommt zu spät. Ausgerechnet zur Vorlesung von Professor Dr. Richard Pohl, der für sein provokantes Verhalten und seine verbalen Ausfälle bekannt ist. In seiner so gar nicht politisch korrekten Art nimmt er die junge Studentin vor voll besetztem Hörsaal sofort aufs Korn. Doch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen...

Manchmal hat man den Eindruck, Christoph Maria Herbst sei ausschließlich auf die Rolle unangenehmer, ja peinlicher Typen abonniert. Wenn dies so ist, kann er dieser Rolle erstaunlich viele Facetten abgewinnen, in diesem Film sogar eine ganz neue. Er spielt den Jura-Professor Pohl, der sich hinter einer rauen Schale von Anfeindungen und Erniedrigungen vor seinen Studenten versteckt. Dabei bedient er sich feinster Rhetorik, wie er überhaupt ein Fan der Debattier-Kunst und Meister der Dialektik ist, gepaart mit einem ausgeprägten Zynismus, der ihn nicht nur mit seinen Studenten, sondern auch mit der Hochschulleitung kollidieren lässt. Da landet nämlich das Video von Pohls letztem Aussetzer, den ein Kommilitone mitgefilmt und online gestellt hat. Die Klickzahlen überschlagen sich und so beschließt die Hochschulleitung ein Disziplinarverfahren gegen Pohl einzuleiten. 

Dessen Freund und Chef Alexander Lambrecht (Ernst Stötzner), Präsident der juristischen Fakultät, gibt ihm den Tipp, die Uni zu verlassen oder alles zu tun, um die Wogen zu glätten. Für die zweite Wahl weiß er auch schon eine Bewährungschance. Pohl soll die marokkanische Studentin Naima (Nilam Farooq), die er gerade noch im Hörsaal vor allen Studenten bloß gestellt hat, auf einen Debattierwettbewerb vorbereiten, dessen Finale Lambrecht an die hiesige Fakultät holen konnte. Obwohl sie sich für die Teilnahme an diesem Wettbewerb längst eingetragen hat, ist Naima gerade gar nicht scharf auf ein Coaching durch diesen Fiesling. Doch mit Abweisungen kann Pohl umgehen und es ist ihm ein Leichtes, der widerborstigen Studentin seine Nachhilfe geradezu aufzuzwingen. Und auch Naima kommt bei aller Abneigung nicht umhin anzuerkennen, dass sie in diesen Spezialstunden viel lernen kann: Nicht nur über Dialektik und Vortragskunst, sondern auch darüber, dass Aussehen und Auftreten genauso wichtig sind wie Faktenwissen und Schlagfertigkeit. So lernt sie alsbald ihren Professor besser kennen, entdeckt sogar menschliche Züge an ihm. Sie ermittelt sein Lebensschicksal und erkennt seinen zur Schau gestellten Rassismus als misanthropen Zynismus, mit dem er einer Welt gegenüber tritt, die längst nicht mehr die seine ist. Umgekehrt erfreut sich Pohl an der Gelehrigkeit und dem Talent seiner Schülerin. 

So inszeniert Sönke Wortmann, wie schon in DER VORNAME nach einer französischen Vorlage, eine ganz eigene Verfilmung vor dem Hintergrund der viertgrößten deutschen Universität, mit seinen weitläufigen Vestibülen, historischen Foyers und holzvertäfelten Arbeitszimmern. Er setzt auf ein glänzendes Ensemble und zelebriert Pohls Kampf mit viel Humor und Esprit. Er lässt ihn Goethe und Schopenhauer zitieren und weist uns den Weg zu unseren kulturellen Wurzeln, die bis hin in die römische und griechische Antike reichen. Das mag altmodisch anmuten, doch sein leidenschaftliches Plädoyer für den Dialog, das einander Zuhören, das den Andersdenkenden überzeugen wollen, wären tolle Vorsätze, um im Neuen Jahr den heute üblichen Fake News und Querdenkereien etwas entgegen zu setzen.