Das Leben ein Tanz

Filmfest München

Infos Vorführungen

Das Leben ein Tanz - 2022
Informationen

Wie geht ein kreativer Mensch damit um, wenn der Lebenstraum kurz vor Erreichen des Ziels zerplatzt wie eine Seifenblase? Diese Frage muss sich die Ballett-Tänzerin Elise im neuen Werk des französischen Regisseurs Cédric Klapisch stellen. Während einer Aufführung hat sie sich so schwer verletzt, dass sie wahrscheinlich operiert werden muss und die Weiterführung ihrer vielversprechenden Karriere an der Pariser Oper in den Sternen steht.

Die anfängliche Verzweiflung weicht einer vorsichtigen Öffnung für neue Erfahrungen. Nach einer kurzen Auszeit bei ihrer Familie und Krankengymnastik-Einheiten beim sympathischen Physiotherapeuten Yann entschließt sie sich, die französische Hauptstadt zu verlassen. Sie bricht mit ihrer Freundin Sabrina und deren Partner Loïc in die Bretagne auf. Die beiden betreiben einen Catering-Service und haben dort einen Auftrag erhalten.

Der Abstand tut ihr gut. Schließlich hat sie nicht nur das drohende Karriereende zu verkraften, sondern auch die Untreue ihres Freundes, den sie just an diesem tragischen Abend hinter der Bühne mit einer anderen Tänzerin des Ensembles in flagranti erwischt hat. Und auch die Beziehung zu ihrer Familie ist nicht ungetrübt. Von ihrer verstorbenen Mutter hat sie die Leidenschaft für den Tanz geerbt. Diese hatte ihre Karriere immer mit Engagement gefördert, ihr fühlt sie sich verpflichtet und angespornt, ihren Traum trotz aller Widrigkeiten weiter zu verfolgen. Ihr Vater kann sie kaum trösten. Ihm fällt es schwer, Gefühle zuzulassen und ein adäquates emotionales Verhältnis zu ihr aufzubauen, ihre beiden Schwestern kämpfen mit ihren eigenen Problemen.

Die gemeinsame Reise mit ihren Freunden führt sie aufs Land, wo ihr ein Job in einem Wohnheim für Künstlerinnen und Künstler angeboten wird. Dort trifft sie auf ein Tanzensemble, das sich dem modernen Tanz verschrieben hat und bald ihr Interesse weckt. Bald entdeckt sie ganz neue Qualitäten an sich und sieht neue Perspektiven erwachsen.

Neben seiner großartigen Hauptdarstellerin Marion Barbeau, selbst Solotänzerin an der Pariser Oper, setzt Klapisch vor allem auf die Kraft des Visuellen. Gleich zu Beginn reißt er uns mit einer Kostprobe einer Aufführung des legendären Ballets “La Bayadère“ (Die Tempeltänzerin) von den Sitzen.15 Minuten dauert die Szene und unsere Protagonistin darf bei diesem selten aufgeführten Werk ihr ganzes Talent unter Beweis stellen.

Und auch die späteren Tanz-Sequenzen mit einem israelischen Modern Dance-Ensembles lassen nichts zu wünschen übrig. Hier erwies sich die Pandemie einmal als echter Vorteil. Denn nur die erzwungene Auszeit zahlreicher Talente ermöglichte es solche Ausnahmekünstler zu casten.

Auch wenn DAS LEBEN IST EIN TANZ sowohl Freunden des klassischen wie modernen Tanzes gefallen wird, ist er kein reiner Tanzfilm. “Das Leben geht weiter und besteht nicht nur aus einem Weg” – dieses Stück Lebensweisheit entwickelt Klapisch ganz unprätentiös und sehr einfühlsam in seinem sympathischen Film, bei dem seine natürlich aufspielende Hauptdarstellerin in ihrer ersten Filmrolle das größte Pfund ist.

“Es ging mir darum zu zeigen, wie sich ein Mensch nach einem Trauma – quasi wie bei einer Wiedergeburt – neu erfinden kann. Dabei ist es notwendig, sich auf einen positiven Weg zu begeben, egal wie schwierig dies in einer solchen Situation auch sein mag“, so der Regisseur über seine Intention. //Anne Wotschke

Galerie
mehr