Das schönste Mädchen der Welt

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Das schönste Mädchen der Welt - 2018 Filmposter

Teeniekomödie trifft Hochliteratur: Als witzige Melange aus CYRANO DE BERGERAC und FACK JU GÖHTE jongliert der Regisseur Aron Lehmann geschickt mit angesagten Jugendtrends und bildungsbürgerlichen Idealen. Da darf auch ein bisschen klamaukt werden, was aber ganz erfrischend ist. Denn erfreulicherweise bietet die Romcom um den klugen Cyril und seine große Liebe Roxy vor allem Unterhaltung, jede Menge Gags und einen tollen Soundtrack – ein Spaß für alle Altersgruppen… und das sogar mit Anspruch.

Nur wenn er als großer Unbekannter mit Maske beim Battle-Rap antritt, ist Cyril selbstbewusst und kann mit seinen witzigen, improvisierten Schnellreimen jeden Gegner beinahe im Handumdrehen besiegen. Doch in der rauen Wirklichkeit muss Cyril ohne Maske auskommen, und dann leidet der kluge und sensible Junge vor allem unter seiner großen Nase, über die seine Mitschüler schon jeden nur erdenklichen Witz gerissen haben. Die bevorstehende Klassenreise nach Berlin ist kaum dazu geeignet, Cyrils Stimmung zu heben. Denn eigentlich möchte Cyril die Entfernung zu den anderen eher vergrößern als verringern. Die Aussicht, mehrere Tage im Klassenverband zu verbringen, macht ihn zum Simulanten. Im Bus nach Berlin sitzt Cyril dann zufällig neben Roxy. Sie ist die Neue, frisch vom Elite-Internat geflogen und ebenso frech wie ungekünstelt. Cyril versteht sich prächtig mit ihr – das Mädchen lacht über seine Witze und macht selbst welche, sie kennt die Bücher, die er liest, und sie teilt seine Vorlieben. Doch leider sieht Roxy in ihm nur den guten Kumpel und verknallt sich Hals über Kopf in Cyrils Zimmergenossen, den hübschen, aber strohdoofen Rick, der so langsam denkt, dass man jeden einsamen Gedanken, der sich hin und wieder in sein Hirn verirrt, förmlich durch den Kopf schlendern sieht. Zu allem Übel erfährt Cyril, dass der Klassen-Großkotz Benno eine Wette abgeschlossen hat, er würde Roxy flachlegen, Videobeweis inklusive. Da gibt es nur eins für Cyril: Wenn er selbst Roxy nicht kriegen kann, dann soll es Rick sein!

Geschickt verknüpfen Lars Kraume (“Das schweigende Klassenzimmer”), Aron Lehmann und Judy Horney als Drehbuchautoren die klassische Geschichte von Cyrano de Bergerac mit einer modernen Story, die hier und jetzt unter jungen Leuten spielt. Und diese Rechnung geht auf: Die Balance zwischen Qualitätsliteratur und Teenieklamotte stimmt. Dabei verzichten die Autoren dankenswerterweise auf die tragischen Elemente der literarischen Vorlage. Stattdessen überwiegen hier die komödiantischen Elemente, ohne dass der romantische Hintergrund darunter leidet. Die flotte Inszenierung und eine angemessen dynamische Kameraarbeit ohne viel Schnickschnack, die viel von Berlin zeigt, ohne allzu sehr ins Touristische zu rutschen, sind ebenso erwähnenswert wie der temporeiche Bildschnitt. Last but not least, weil extrem herausragend, die Musik: Dazu gehören vor allem die Battle-Raps, sprich Hip Hop. Robin Haefs hat die Lyrics geschrieben, von denen einige zum Niederknien schön sind. Sie geben der ganzen verrückten Liebesgeschichte so viel Leichtigkeit, Echtheit und Würde, dass sogar ältere Erwachsene gerührt sein könnten. Die Songs sind witzig, ruppig, manchmal traurig … und all das passt perfekt zu einer Komödie, die beim jungen wie beim älteren Publikum ankommen sollte.