Das schweigende Klassenzimmer - 2018 Filmposter

Das schweigende Klassenzimmer

Mit seinem Polit-Thriller „Der Staat gegen Fritz Bauer“ mit Burghart Klaußner in der Rolle des Generalstaatsanwalts Fritz Bauer machte Grimme-Preisträger Lars Kraume zuletzt in unseren Kinos Furore und konnte sechs deutsche Filmpreise gewinnen. Nun widmet er sich erneut einem historischen politischen Stoff, der auf wahren Ereignissen beruht. Diesmal versetzt er uns in die noch junge DDR, in der eine spontan organisierte Schweigeminute für die Opfer des Volksaufstandes in Ungarn eine Schulklasse plötzlich zu Staatsfeinden macht.

Alles fängt ganz harmlos an. Bei einem Kinobesuch 1956 in Westberlin sehen die Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) in der Wochenschau Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Der berühmte Fußballer Ferenc Puskás soll bei der Niederschlagung der Unruhen ums Leben gekommen sein. Als sie – zurück in ihrer Heimat Stalinstadt ihren Mitschülern Lena (Anna Lena Klemke), Paul (Isaiah Michaelski) und Erik (Jonas Dassler) davon berichten, beschließen die Abiturienten, eine solidarische Schweigeminute während des Unterrichts zu initiieren.
Doch die kleine Aktion schlägt größere Wellen als gedacht. Schuldirektor Schwarz (Florian Lukas) versucht, die Angelegenheit herunterzuspielen, doch als sich die Kreisschulrätin (Jördis Triebel) und später auch der Volksbildungsminister (Burghart Klaußner) einschalten, der die Aktion als eindeutig konterrevolutionären Akt verurteilt, kommt ein Prozess ins Rollen, der nicht mehr zu stoppen ist. Die Schüler sollen den Rädelsführer der Aktion benennen. Mit Verhören und Drohungen versuchen die SED-Funktionäre die Schulkameraden zu erpressen und gegeneinander auszuspielen. Doch die insgesamt 19 Schülerinnen und Schüler halten dicht. Am Ende werden allesamt vom Abitur ausgeschlossen. Den meisten gelingt es, sich nach West-Berlin abzusetzen.

Einer von ihnen, der heute 79-jährige Dietrich Garstka, hat die Geschichte auf Basis seiner Erinnerungen, zahlreicher Interviews und jahrelanger Aktenrecherche aufgeschrieben und unter dem Titel „Das schweigende Klassenzimmer. Eine wahre Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg“ im Ullstein-Verlag veröffentlicht. Dort wurde sie von Regisseur Lars Kraume entdeckt, der sofort Gefallen daran fand. Er machte daraus eine Studie über Solidarität und Mut, hervorragend besetzt und gespielt, die ein spannendes Stück Zeitgeschichte fassbar und erlebbar macht. Zehn Jahre habe es gedauert, die Filmrechte zu erhalten und das Drehbuch zu schreiben, so der Regisseur. „Gerade heute, wo unsere demokratischen Grundwerte wieder in Frage gestellt werden, sind diese Ereignisse besonders aufschlussreich“, betont er.
Da der Originalschauplatz Storkow nicht mehr als 50er Jahre Filmkulisse taugte, wurde die Handlung kurzerhand nach Stalinstadt (heute: Eisenhüttenstadt) verlegt und dort zum großen Teil auch gedreht. Rund 100 Eisenhüttenstädter Komparsen machten mit. Die dortige Wohnstadt des Hüttenwerks ist als größtes Flächendenkmal Deutschlands noch original erhalten und bildet eine authentische Kulisse für den Film. Auf der Berlinale wird „Das schweigende Klassenzimmer“ in der Reihe „Berlinale Special“ sein Weltpremiere haben.

Galerie