Der unverhoffte Charme des Geldes

Trailer Infos Vorführungen

Der unverhoffte Charme des Geldes - 2018 Filmposter
Informationen

Denys Arcand ist der große Intellektuelle des kanadischen Kinos. Mit seinem Erstling “Der Untergang des amerikanischen Imperiums” nahm er den Zustand der amerikanischen Gesellschaft unter die Lupe und setzte Maßstäbe, die er mit “Die Invasion der Barbaren” nochmal toppen konnte. Für ihn erhielt er einen Oscar und zwei Silberne Palmen in Cannes. Seine Filme sind meist sehr theoretisch und hochphilosophisch, was es ihnen an der Kinokasse nicht immer leicht machte. In seinem neuen Film geht es um das liebe Geld und diesmal wählt er einen pragmatischeren Ansatz und verpackt seine Gesellschaftskritik in einer Mischung aus Heist-Movie und Märchen.

Doch bevor die Action los geht, sehen wir unseren Protagonisten, den Kurierfahrer Pierre Paul, in einem Restaurant. Er ist gebildet, sensibel und arm, hat einen Abschluss in Philosophie, und erklärt gerade seiner Freundin, warum er der geborene Looser ist. Er meint, er sei zu intelligent, um erfolgreich sein zu können und kann dies ziemlich gut begründen. Dabei wird er jedoch derart anmaßend, dass seiner etwas einfacher gestrickten Freundin nur übrig bleibt, mit ihm Schluss zu machen. Einfach nur typisch, meint Pierre, der sich längst damit abgefunden hat, der ewige Verlierer zu sein, nun kommt halt auch noch Pech in der Liebe dazu. Doch das Schicksal hat anderes mit ihm vor und stellt ihn als nächstes als Glückspilz auf die Probe.

Bei der Auslieferung eines Paketes wird er zufällig Zeuge eines missglückten Banküberfalls, bei dem es zu einer Schießerei kommt. Ruck Zuck sind zwei Gangster tot, und der dritte flüchtet und lässt die Beute quasi vor Pierres Füßen fallen. Bevor der realisiert, was da eigentlich gerade passiert ist, hat er schon die beiden Sporttaschen prallvoll mit Geldscheinen instinktiv in seinem Paketwagen verstaut. Zunächst gilt er für die Polizei als Zeuge, doch als die über seinen Arbeitgeber herausbekommt, dass er nach dem Überfall erst einmal nach Hause gefahren ist, steht er nicht nur unter ihrer Beobachtung. Pierre ist schon klar, dass die Beute heiß ist, und er weiß, dass er Hilfe braucht. Da er niemanden kennt, der ihm in solch einem speziellen Fall weiterhelfen könnte, heuert er zwei Fremde an, die nicht gerade den vertrauenerweckendsten Eindruck machen. Er nimmt Kontakt auf mit einem gerade aus dem Knast entlassenen Finanzgenie und weiht seine sündhaft teure neue Freundin ein. Der eine hat das Zeug den Fall professionell zu handeln und die andere die nötigen Kontakte. So kommt ein gewiefter Offshore-Banker ins Spiel, der uns eine wahre Lehrstunde gibt, wie man in Zeiten eines gläsernen Bankensystems auch eine größere Menge Bargeld wieder weiß waschen kann.

Das alles ist so intelligent inszeniert, sprüht vor Einfallsreichtum und scheint doch so realistisch, dass es eine Freude ist, dem Geschehen zu folgen, bei dem man nie weiß, wer gerade wen hintergeht. Pierre jedenfalls spielt inzwischen den Typ Weltverbesser, der mit seine grenzenlosen Naivität, den Schlüssel für eine harmonische Lösung liefert. Wenn sich am Ende die ganzen Fallstricke entwirren und der Film ein versöhnliches Ende nimmt, schimmert dann doch Arcands philosophische Ader durch. Denn im Endeffekt haben wir einer Parabel über den Fluß des Geldes in einer modernen Gesellschaft beigewohnt, die mit spitzer Ironie in einer märchenhaften Mischung aus “Pretty Woman” und “Robin Hood” endet.