Die Agentin

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Die Agentin - 2019 Filmposter
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Mehr John le Carré als James Bond ist Yuval Alders Agentenfilm „Die Agentin“, in dem Diane Kruger erneut ihre wachsenden Qualitäten als ernsthafte Schauspielerin unter Beweis stellt. Als Zivilistin, die in die Strukturen der Geheimdienste gezogen wird, hält sie einen Film zusammen, der zwar bekannte Töne anschlägt, insgesamt aber mit solider Spannung aufwartet.

Ein Anruf am Rheinufer setzt die Handlung in Gang: Zum ersten Mal seit langem hört der britische Jude Thomas (Martin Freeman) von der Deutschen Rachel (Diane Krüger), die er einst rekrutierte und in die Methoden des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad einführte. Nun scheint Rachel nicht mehr unter Kontrolle zu sein, scheint sich von ihren Führungsoffizieren losgelöst zu haben, vielleicht sogar zu Israels Erzfeind Iran übergelaufen zu sein. Das zumindest vermuten hochrangige Mossad-Agenten, denen Thomas in langen Rückblenden berichtet, wie er Rachel einst rekrutierte. Ohne familiäre Bindungen, vielsprachig und weltgewandt, war sie die ideale Kandidatin, um die herum die Legende einer Sprachlehrerin aufgebaut wurde, bevor sie zu ihrem ersten Einsatz geschickt wurde: Nach Teheran ging es, wo sie sich dem iranischen Geschäftsmann Farhad (Cas Anvar) nähern sollte, der für eine Elektronikfirma arbeitet. Doch schnell entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen Rachel und Farhad, die Rachels Loyalität verkomplizierte. Spätestens als der Mossad aktiv versuchte, den Kontakt zu Farhad zu benutzen, um fehlerhafte Ersatzteile ins Land zu schmuggeln, beginnt Rachel zu verstehen, in welch schmutzige Komplotte sie hineingezogen wird.

Während Geheimdienstfiguren à la James Bond nur selten Zweifel an der grundlegenden Richtigkeit ihrer Einsätze haben, ist es die Basis der Bücher und Verfilmung von John le Carré, dass auch die dunkle Seite des Spiels im Schatten ausgelotet wird. Wie weit darf ein Geheimdienst, also der verlängerte Arm eines im besten Fall demokratischen Staates gehen, um seine Interessen durchzusetzen? Darf man lügen, sabotieren, vielleicht sogar morden, um sein Land zu schützen, sich gegen einen Staat zu wehren, der ebenfalls nur seine eigenen Interessen durchzusetzen versucht? Besonders kompliziert werden diese Fragen, wenn wie hier eine Zivilistin in die Machenschaften der Geheimdienste hineingezogen wird, eine ganz normale Frau, die vielleicht auch aus erzwungener Loyalität agiert. Als deutsche Staatsbürgerin ist Diane Krugers Figur Rachel unweigerlich in die Geschichte zwischen Deutschland und Israel verstrickt, die durch die zeitgenössische Politik Israels noch zusätzlich verkompliziert wird. Ein Minenfeld ist es, dass Autor und Regisseur Yuval Adler mit seinem zweiten Spielfilm betritt. Denn auch wenn es hier streng genommen um die Versuche Israels geht, ein mögliches Atomprogramm des Irans mit allen Methoden zu sabotieren, um die eigenen, scheinbar gerechtfertigten Ziele, mit allen Mitteln zu erreichen: Im Kern ist „Die Agentin“ ein Film über eine Frau, die ihr Leben zurückhaben möchte. Durch die verschachtelte Rückblendenstruktur dauert es eine ganze Weile, bis deutlich wird, was hier auf dem Spiel wird. So wird „Die Agentin“ erst in der zweiten Hälfte, wenn Rachel zwischen ihrer Loyalität zum Mossad und ihre Liebe zu Farhad hin und her gerissen ist, zu einem spannenden Drama mit psychologischer Suspense.