VorschauSTART | 14.03.2024

Die Herrlichkeit des Lebens

Infos Vorführungen

Die Herrlichkeit des Lebens - 2024

Premiere mit Gästen

in Anwesenheit des Hauptdarstellers Sabin Tambrea und Regisseur Georg Maas

Cinema
Di12.03.2419:00

12,00 €/10,00 €
Normal / Gildepass
zzgl. evtl. Logenzuschlag 1,- EUR

Informationen

Kafka und die Frauen, das war kein einfaches Kapitel im Leben des Schriftstellers. Georg Maas stellt in seinem Biopic „Die Herrlichkeit des Lebens“ seine letzte Beziehung mit Dora Diamant in den Mittelpunkt. Eine zarte Liebesgeschichte und gleichzeitig ein Einblick in den kreativen Prozess, der den an Kehlkopf-Tuberkulose erkrankten Kafka, unter anderem zu seinem bekanntesten Werk „Die Verwandlung“ inspirierte.

Im Sommer 1923 lernt Franz Kafka (Sabin Tambrea) im Ostseebad Müritz Dora Diamant (Henriette Confurius) kennen. Die 25-jährige ist Betreuerin in der Ferienkolonie des Berliner jüdischen Volksheims. Der fünfzehn Jahre ältere Schriftsteller will sich am Meer von seinen Tuberkulose-Schüben erholen. Die beiden finden im jeweils anderen etwas, was ihnen selbst fehlt. Dora, bodenständig, zupackend, das Leben umarmend, Franz, der zurückhaltende Feingeist, mit Sinn für Humor und sprödem Charme, hin- und hergerissen zwischen Bindungswillen und Bindungsangst. Durch die Begegnung mit der jungen Frau schöpft der geschwächte Schriftsteller, der selbst am Strand immer in Anzug und Krawatte unterwegs ist, wieder neue Energie für sein Schreiben.

Gegen den Widerstand seiner Schwester und des alles dominierenden Vaters, entscheidet Kafka mit seiner neuen Liebe nach Berlin zu ziehen. Die beiden hausen in einer zugigen Wohnung, die seinem Gesundheitszustand alles andere als zuträglich ist. Seine wohlhabende jüdische Familie verwehrt dem jungen Paar die finanzielle Unterstützung, zumal Kafkas Vater die in Polen geborene Dora, die sich einer zionistischen Vereinigung angeschlossen hatte, als potenzielle Schwiegertochter rundweg ablehnt. Die Ostjüdin passt seiner Ansicht nach nicht zu den aufgeklärten Kafkas. Doch Dora lässt sich davon nicht beirren, bleibt auch an Kafkas Seite, als dieser ins Sanatorium eingewiesen wird und, nachdem die Tuberkulose seinen Kehlkopf befallen hat, nicht mehr sprechen kann.

Georg Maas („Zwei Leben“) verfilmte mit „Die Herrlichkeit des Lebens“ den gleichnamigen Roman von Michael Kumpfmüller und konzentriert sich auf das letzte Lebensjahr des Schriftstellers. Was dem Film sehr gut tut. So lässt sich Kafka der Mensch hinter den Texten entdecken. Am 3. Juni 2024 jährt sich Kafkas Todestag zum hundertsten Mal. Wäre es nach ihm gegangen, wären seine Texte nach seinem frühen Tod verbrannt worden. Einen Teil übergab Kafka noch zu Lebzeiten den Flammen. Zum Glück brachte es sein Freund Max Brod nicht übers Herz, auch den Rest zu Asche werden zu lassen, und so blieb ein Teil seiner Schriften, darunter „Der Prozess“ und sein wohl bekanntester Roman „Die Verwandlung“, für die Nachwelt erhalten. Heute gilt er als meistgelesener deutschsprachiger Autor.

Die erhaltenen Romanfragmente, Kurzgeschichten und Tagebucheintragungen wurden von seiner angegriffenen Gesundheit und dem Wissen, bald sterben zu müssen, ebenso beeinflusst, wie von der wirtschaftlichen Lage in Mitteleuropa zwischen den Weltkriegen. All das spart Maas in seiner Regiearbeit nicht aus, stellt jedoch die Beziehung zwischen Dora und Franz in den Mittelpunkt des Films, dessen zum Teil poetische Bilder zeitlos wirken. Kafkas letzte Monate im Sanatorium beschönigen nichts. Die Geliebte mutiert zur Pflegenden. Diese schonungslose Ehrlichkeit und die ohne Kitsch erzählte Liebesgeschichte mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern machen „Die Herrlichkeit des Lebens“ sehenswert.

Galerie
mehr