VorschauSTART | 19.01.2023

Die Linie

Berlinale 2022

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Ein kompliziertes Mutter-Tochter-Verhältnis steht im Mittelpunkt des neuen Films von Regisseurin Ursula Meier. Gleich zu Beginn erleben wir einen heftigen Streit zwischen Mutter und Tochter, in Zeitlupe und unterlegt mit klassischer Musik, der völlig aus den Fugen gerät. Der Streit endet mit der Einweisung der Mutter ins Krankenhaus, Tochter Margaret (herausragend: Stéphanie Blanchoud ) erhält die gerichtliche Auflage, sich ihrem Elternhaus für drei Monate nicht mehr als 100 Meter zu nähern.

Eine hellblaue Linie, rund um das Anwesen gezogen, markiert diesen Bannkreis und wird fortan zum regelmäßigen Treffpunkt zwischen Margaret und ihrer Schwester Manon, die im Gegensatz zu den restlichen Familienmitgliedern zwischen den Streitenden vermitteln will. Manon erhält dort sogar weiter Musikunterricht von der Verbannten. Überhaupt ist die Musik ein verbindendes Element bei diesem Familiendrama der unterdrückten und verletzten Gefühle. Margarets Aggressionsproblem, das sich immer wieder auch in außerfamiliären Situationen Bahn bricht und auch ihre Beziehung zu ihrem Freund zerbrechen ließ, rührt von dem berechtigten Gefühl mangelnder Mutterliebe. Denn Christina (intensiv gespielt von Valeria Bruni-Tedeschi) kann nicht verwinden, dass sie ihre Karriere als Konzertpianistin nach der Geburt der Tochter aufgeben musste und ist von uneingestandenen Schuldgefühlen geplagt, nie eine wirkliche Mutter gewesen zu sein. Wie schon in ihrem Film “Winterdieb” legt Ursula Meier ein gelungenes Porträt einer dysfunktionalen Familie vor. Die schweizerisch-französisch-belgische Koproduktion mit Beteiligung der Dardenne-Brüder besticht mit starken Frauenrollen, pointierten Regie-Einfällen und dem adäquaten Einsatz der verschneiten Winterlandschaft, die die Eiszeit zwischen Mutter und Tochter symbolisch widerspiegeln.

 

 

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