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VorschauSTART | 26.11.2020

Ein nasser Hund

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Ein nasser Hund - 2020 Filmposter
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Inspiriert vom Roman “Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude” erzählt der Film die authentische Geschichte eines jüdischen Flüchtlings aus dem Iran, der sich in Berlin als Muslim ausgibt, um in seiner arabischen Jugendgang anerkannt zu werden. Die Identitätsfindung eines Jungen, der in keine Schublade passen will vor dem Hintergrund des ungelösten Nahostkonflikts und eines wachsenden Antisemitismus in Deutschland – Damir Lukacevic macht mit dem schwierigen Thema einen frechen, provokanten Film, der bei aller Ironie seine Ernsthaftigkeit behält.

In seinem Regiedebüt spielt Damir Lukacevic mit Klischees und zeigt viel Mut bei der ambivalenten Darstellung einer scheinheiligen Gesellschaft. Damit offenbart er nicht nur die Tragik vieler Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland, die mit wachsender Feindseligkeit konfrontiert sind. Ebenso wie er den Antisemitismus an den Pranger stellt, verfährt er mit dem Rassismus und mit Vorurteilen gegen die Jugend, gegen den Islam, gegen Türken und Araber – um nur einige Gebiete zu nennen, auf denen sich populistische Vereinfacher so gern betätigen. In der Liebesgeschichte von Selma und Soheil schließlich entlarvt er das Freund-Feind-Denken in seiner bittersten, aber auch in seiner schönsten Form: ein Hauch von „Romeo und Julia“ mit vielen überraschenden Wendungen. Soheil kann als Einzelner nicht den Nahostkonflikt lösen, aber er kann für sich selbst eine Lösung finden. Und das macht er mit demselben Ehrgeiz, mit dem er vorher zum arabischen Gangster wurde. Dabei stellt er gleichzeitig seine Umgebung bloß. So entlarvt er die Scheinheiligkeit von Lehrern, die plötzlich richtig nett werden, als sie erfahren, dass er Jude ist.

Allen voran ist Doguhan Kabadayi ein sehr überzeugender, geradezu bestürzend authentischer Soheil, der – anfangs noch etwas kindlich verpeilt – in eine Geschichte hineinschliddert, die eine schreckliche Eigendynamik entwickelt. Mit wachsendem Erstaunen betrachtet Soheil die Folgen seiner eigenen Taten und trifft schließlich eine mutige Entscheidung, die ihn das Leben kosten könnte. Doguhan Kabadayi macht aus Soheil eine Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten. Er wechselt in den Stimmungen souverän zwischen Kind, Junge und Mann, wobei er die Fähigkeit beherrscht, gleichzeitig rotzfrech und sanft in die Welt zu blicken. Die junge Derya Dilber spielt seine große Liebe Selma als ebenso pragmatische wie vernünftige junge Frau, die schon sehr genau weiß, was sie will – Liebe hin, Liebe her. Hinter der noch etwas kindlich niedlichen Fassade verbirgt sich sehr viel weibliche Entschlossenheit, und die spielt Derya Dilber ebenso überzeugend wie ihre Liebe zu Soheil. Mohammad Eliraqui schließlich als Soheils bester Freund Husseyn erweist sich ebenfalls als brachiales Talent: eine seltene Mischung aus Power und Sensibilität, er erinnert in seinen besten Szenen an den jungen Marlon Brando. Mit fein gezeichneten Charakteren und überwiegend realistisch knappen Dialogen – irgendwo zwischen dem Berliner „Herz mit Schnauze“ und pubertärer Schnoddrigkeit – führt Damir Lukacevic sein junges Team in eine immer spannendere Handlung, begleitet von coolen Raps, die perfekt zur Stimmung passen: Es muss alles erst richtig schlimm werden, damit es wieder besser wird. Am Ende gibt es dann ein paar echte Überraschungen…